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Full text of "Husmann Die Syrischen Handschriften Des Sinai Klosters"

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NEUERSCHEINUNG 
Das östliche Christentum, N. F. Band 28 

Rupert Gläser 

Die Frage nach Gott in der Philosophie S. L. Franks 

XIV, 166 Seiten, kartoniert, Preis 34,50 DM 

Semjon Ljudvigovic Frank (1877-1950) ist ein Vertreter der russischen, nicht-marxistisch 
Gegenwartsphilosophie, dessen Werk im Verhältnis zur Größe und Tiefe seines Denken 
wenig bekannt wurde. Der Mangel an Obersetzungen und seine philosophische Sprache h bm 
es verhindert, daß er jemals den Ruhm eines Berdjaev, Sestov oder Bulgakov erreicht ha 
Trotzdem ist gerade er der bedeutendste russische Philosoph des 20. Jahrhunderts und d» 
Gipfelpunkt in der Geschichte der russischen Philosophie (Zenkovsky). 
Die vorliegende Arbeit, die jetzt im 25. Todesjahr Franks erscheint, hat es sich zum Ziel ge- 
setzt, anhand eines Grundthemas, das die Philosophie Franks und die ganze russische Philo- 
sophie durchzieht, die fundamentalen Strukturen dieses großen Denkens darzustellen. Sie ist 
die erste Arbeit, die auf alle größeren Werke Franks zurückgreift, und so zum ersten Mal auch 
einen Gesamtüberblick über seine Philosophie bietet. 

Die Studie gliedert sich in zwei große Themenbereiche, deren erster die Charakteristiken der 
russischen Philosophie (im Gegensatz zur westeuropäischen), eine Lebensbeschreibung Franki 
und die philosophischen Einflüsse auf ihn (Plotin, Nikolaus von Kues, Solovjov, Losskij, Hus- 
serl, Scheler) enthält. Der zweite Themenkreis ist seiner religiösen Philosophie und Theologie 
gewidmet, wobei seine drei theologischen Ansätze (Onto-Theologie, dialogale Theologie, 
Kosmo-Theologie) eingehend analysiert werden. Eine Diskussion der darin enthaltenen Pro- 
blematik bildet den Abschluß. 

Die Ideen Franks, Berdjaevs, Bulgakovs u. a., die schon in der stürmischen Epoche des vor- 
revolutionären Rußlands Aufsehen erregten, werden auch gegenwärtig wieder, wie das die 
Samizdat-Literatur gezeigt hat, in der jungen russischen Intelligenz diskutiert, so daß deren 
Kenntnis heute von Bedeutung ist. 

Auslieferung für 

Österreich: Mayer & Comp., Liturgia, A-1010 Wien I, Zedlitzgasse 3 
Schweiz: Herder AG, Verlagsauslieferung, CH-400 Basel 2, Malzgasse 18, Postfach 

AUGUSTINUS-VERLAG WÜRZBURG 





M.ßanö 



Dezember 1975 



Heft 4 



AUGUSTINUS-VERLAG ■ WURZBURG 




OSTKIRCHLICHE STUDIEN 

AUGUSTINUS-VERLAG • WÜRZBURG 




Gedruckt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft 
Die Ostkirchlichen Studien erscheinen jährlich in vier Heften im Gesamtumfane 
24 Bogen. Sie werden vom Ostkirchlichen Institut der deutschen AueustinerW" I1 if tWa 
Steinbachtal 2a, und mit kirchlicher Druckerlaubnis herausgegeben im Aueusti™ v "fc 
(Inh.: Augustinerkloster), Würzburg, Grabenberg 2. Druck: Fränkische GeseüschXj f™« 
GmbH., Würzburg, Juliuspromenade 64. ««nattidtuckatj 

Schriftleitung: Prof. Dr. H. M. Biedermann OSA, unter Mitarbeit von Prof Dr Em 
Suttner, Wien, und CoelestinPatock OSA, Würzburg, Steinbachtal 2a. An diese Adresse A 
alle Zusendungen von Manuskripten und Zuschriften erbeten. werden 

Bezugsbedingungen: Jahresabonnement DM 60,-; Einzelheft DM 16,-. 



Anschriften der Mitarbeiter dieses Heftes 

Prof. Dr. Johannes Chrysostomus OSB, 8351 Niederaltaich, Abtei; Prof. Dr. Heinrich H 
mann, 34 Göttingen, Kurze Geismarstr. 40 (Musikwiss. Seminar der Univ.); Dr Radu ¥a^ 
Institutul de Arheologie 7, Bukarest 22, Str. I. C. Frimu 11, Rumänien; Dr. Horst Röhlm 
581 Witten/Ruhr, Unterkrone 37; Hannelore Tretter, 87 Würzburg, Steinbachtal 2a- P. T 
Dr. Arthur Vööbus, 230 So. Euclid Ave., Oak Park, 111. 60 302 USA. ' 



INHALT 

H. Husmann, Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters, Herkunft und Schreiber 281 
R. Popa, Zur kirchlichen Organisation der Rumänen in Nordsiebenbürgen im Lichte des 

patriarchalischen Privilegiums von 1391 309 

P. Joh. Chrysostomus OSB, Gedanken zum 50. Todestag des Patriarchen Tichon von 

Moskau und Ganz Rußland 31g 

A. Vööbus, Neue Entdeckungen für die Biographie des Severus von Antiochien von 
Jöhannän von Bet Aphtönjä 333 

Buchbesprechungen 

H. Brandenburg, Christen im Schatten der Macht. Die Geschichte des Stundismus in 

Rußland (C. Patock OSA) 338 

— De latheologie orthodoxe roumaine des origines ä nosjours (E. Chr. Suttner) .... 340 
Pro Oriente, Konziliarität und Kollegialität - Das Petrusamt - Christus und seine Kirche 
(E. Chr. Suttner) 346 

Zeitschriftenschau (H. Rohling) 
Inhaltsübersicht über Glasnik, Heft 1-12/1974 348 

Bibliographie (H. Tretter) 

I. THEOLOGIE: 1. Dogmatik (Schluß) 355 

2. Moral, Pastoral 363 

Autorenverzeichnis des 24. Bandes (1975) 374 

Inhaltsverzeichnis des 24. Bandes (1975) 383 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters, 
Herkunft und Schreiber 

Von Heinrich Husmann, Göttingen 



Inhaltsverzeichnis 
Einleitung 

1 Die syrischen Handschriften des Sinai, nach Gattungen geordnet 

1. Oktoechoi 

2. Sonntagsoktoechoi mit Menäen 

3. Menäen 

4. Menäen mit Triodion 

5. Triodien 

6. Triodion mit paläobyzantinischer Neumierung 

7. Hirmologien 

8. Kanonarien 

a) Parakletische Kanones 

b) Großer Bußkanon 

9. Horologien 

10. Euchologien 

11. Typika 

12. Bibelhandschriften und Lektionare 

13. Heiligenleben und Patristik 

14. Psalterien 

15. Nichtmelkitische Handschriften 

II. Herkunft und Schreiber der syrischen Sinaihandschriften 

1. Die syrischen Schreiber des Sinai und ihre Herkunft 

2. Nichtlokalisierte Handschriften 

3. Die vorderorientalischen Handschriften 



Von den musikalischen Gattungen der melkitischen Liturgie beschäftigt sich meine 
Studie Die melkitische Liturgie als Quelle der Qanune iaonaie (Orient. Christ. Period. 
41 [1975] 5-56) mit den Kanones. Die Auferstehungskanones führten zu einer beson- 
ders ursprünglichen Handschrift, dem Sinai syr. 65, die im Gegensatz zu allen übrigen 
Handschriften, die sonntags zwei oder drei Kanones, für Auferstehung, Kreuz und 
Gottesmutter, bieten, sonntags nur einen Kanon, und zwar gerade den Kreuzauf- 
erstehungskanon, stauroanastasimos, bringt. Die acht Formulare für die acht Kirchen- 
töne, jeweils Stichera, Kanones usw. enthaltend, bezeichnet sie doppeldeutig ebenfalls 



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H. Husmann 




Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



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als qanonä und läßt diese acht qanone durch das ganze Kirchenjahr laufen, währ 
sie in der in sämtlichen bekannten griechischen und syrischen Handschriften üb 
lieferten Rezension auf die Sonntage nach Pfingsten beschränkt sind und die übri» 
Sonntage eigene spätere Formulare besitzen. Dies zeigt das besonders hohe Alt 

zuge. 



dieser Ordnung, die, da die Kreuzauf erstehungskanones Kosmas von Jerusalem 



schrieben wurden, direkt auf das 8. Jahrhundert zurückzugehen scheint. Diese ganz 
Form des frühen byzantinisch-syrischen Stundengebets bezeichnet die Handschrif 
dabei als „Ordnung des Melchisedek". Ich gebe nochmals den eindrucksvollen Tit I 
der Handschrift: 

Bsmh dmrn Iso' msih' msrinn dnktob pnqit' dqnon' 
dhdbsb' dqimf dkroki' dsnt' : posq dMlkizdq. 

Das ist also: „Im Namen unseres Herrn Jesus Christus beginnen wir zu schreiben 
die Sammlung der Kanones der Sonntage der Auferstehung umlaufend des Jahres- 
Ordnung des Melchisedek." 

Den Aufbau dieses Ordo des Melchisedek in bezug auf Stichera und Kathismata 
untersucht eine spätere Arbeit. Zu diesen Studien der melkitischen Liturgie bildet die 
vorliegende die kulturelle Ergänzung. Sie will an Hand der Kolophone der auf dem 
Sinai aufbewahrten syrischen Handschriften ein Bild von dem liturgischen Leben der 
melkitischen Kirche im zentralen Mittelalter entwerfen. Den Ausgangspunkt dieser 
Untersuchungen bildet die Beobachtung, daß viele syrische Handschriften des Sinai 
eine „griechische Ordnung" (teksä iaonäiä) und eine „syrische Ordnung" (teksä 
suriäiä) unterscheiden. Dabei zeigt sich, daß mit der „syrischen Ordnung" Hand- 
schriften vom Typ des Sinai syr. 65 gemeint sind. Demgegenüber repräsentieren die 
Handschriften der „griechischen Ordnung" die „revidierte" Fassung der liturgischen 
Textüberlieferung. „Syrisch" und „griechisch" entsprechen dann den Bezeichnungen 
„edessenisch" und „melitenisch" der syrisch-orthodoxen Handschriften. 



I. Die syrischen Handschriften des Sinai, nach Gattungen geordnet 

1. Oktoechoi 

Oktoechoi sind die Handschriften Sinai syr. 25, 65, 69, 123, 156, 208 und 210. Die 
Handschriften Sinai syr. 65 und 156 enthalten nur die Formulare für die Sonntage. 
Die Handschriften Sinai syr. 123, 156 und 210 haben die griechische Ordnung, 
Sinai syr. 65 und 69 die syrische Ordnung des Melchisedek und Sinai syr. 25 und 208 
sind gemischte Handschriften, die den Stücken der griechischen Ordnung einzelne 
Stücke der syrischen Ordnung folgen lassen. 

Ich gebe im folgenden nur die für Datierung und Herkunft wichtigen Teile der Kolophone, 
um einem zukünftigen Katalog, der die ganzen Kolophone bringen wird, nicht vorzugreifen. 
Ob ich selbst freilich dafür die Zeit finden werde, ist ungewiß. 



Sinai syr. 25. Kolophon f. 253; 'strnli ktb' hn iom sb h bsoni big birh' 'dr: snt' st' 
'hin osb'm" sg l'bon 'dm bdir' mqds' Tor Sini l'dt' qdist' ildt 'lh' . . . diri' Johnn br Mnsor . . 

pie Handschrift wurde also am 5. Fastensamstag, 13. März 6763 der Weltära = 
1255 a.d. vollendet und geschrieben vom Mönch Johann bar Mansur für die Kirche 
J er Gottesmutter auf dem Sinai. 

Ich kürze im folgenden ab : W = Weltära, A = Alexander oder Seleukidenära, JC = nach 
Christi Geburt (differiert um 8 bzw. 9 Jahre von unserer heutigen Zählung), a.d. = anno domini 
unsere Zählung und H = Hedschra. 

Man erinnert sich, daß das Kloster auf dem Sinai ja erst später, etwa vom 14. Jh. 
,b der Hl. Katharina geweiht war, vorher der Gottesmutter, wie es unser Kolophon 
angibt genauer : seine Kirche, das Kloster Transfiguratio. 

Sinai syr. 65. Die Handschrift bricht mit f. 86v. ab, das Blatt f. 87 stammt aus 
einer anderen Handschrift. Es fehlt der 8. Ton und, wenn vorhanden gewesen, der 
Kolophon. 

Sinai syr. 69. Kolophon f. 207: ... Tqob bdir' qdis' dBit Zgb' ... 

Das mesopotamische Kloster Beit Zagba ist wohlbekannt aus dem Londoner add. 
14602 (Katalog Wright S. 706-708), Kopie von Briefen ostsyrischer Bischöfe, darun- 
ter der Superior Paulus unseres Klosters, das dem hl. Johannes geweiht war. Das 
Kloster ist weiter bekannt durch eine der großartigsten syrischen Handschriften über- 
haupt, den dort geschriebenen Kodex des Rabbula, Florenz Medicea-Laurentiana 
Plut. I 56, der am 9.2. 897A = 586 a.d. beendet wurde, wenn man die Angabe 
„Vollmond Februar 586" nach den Tafeln von R. Schräm ausrechnet. 
S. 44-57 und 26 Tafeln). 

Sinai syr. 123. Kolophon f. 344v.: 'tkt(b) ktb' hn sbt st 'Ipin osb'm" ots' in h~ l'bon 
'im iom sb k~ö birh' tsrin ä ... Johnn ... 

Ein Johann beendete die Handschrift also 6795W, Samstag, den 26. Oktober. Da 
man vom 1 . 9.-31. 12. 5509 subtrahieren muß, um die Weltära in unsere Zeitrechnung 
zu überführen, vom 1. 1. - 31. 8. dagegen 5508, ist dies der 26. Oktober 1286, der 
in diesem Jahr tatsächlich ein Samstag war. 

Zum Umrechnen und Kontrollieren ist am bequemsten H. Lietzmann, Zeitrechnung, 
Sammlung Göschen Band 1085. 

Sinai syr. 156. Kolophon f. 269: ...snt st 'Ipin osb' m" ots' in o' l'bon 'dm iom 1 id 
'ilol bdir' oqods' Tor Sini biomi 'pisqop' . . . 'rs'nios . . . qsis' Johnn br Tqob ...mn qrit' Smsin 
tV isofi' . . . 

In diesem Kolophon ist ein Schreibfehler; denn 'ain = 70 ist unmöglich, da schon 
ts' in = 90 dasteht. Es ist naheliegend, daß es aus Gamal verschrieben wurde. Der 
14. September 6793W minus 5509 (!) = 1284 a.d. war aber ein Donnerstag. Der 
H. September war ein Mittwoch im Jahr 1289 a.d., was 6798W entspricht. Dann 




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H. Husmann 




Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



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wäre ' aus h verschrieben, und das ist möglich. Das paßt auch besser zum genam 
Bischof Arsenios, der bei L. Cheikho, Les archeveques du Sinai, Melanges Faculte O ' 
tale St. Joseph II, 1907, S. 418 mit dem Jahr 1290 erscheint. Der Schreiber Johann h~ 
Ja'qob stammte aus Shemsin südlich Homs, Tafel VI B 2 von R. Dussaud, Topo 
phie historique de la Syrie antique et medievale, Paris 1927. 

Sinai syr. 208. Kolophon f. 284: ...bdir' kit dMri Tl'lios d'itohi bTor' 'W bqrit' 
Tlpit' mn 'mV dQnsrin ... qsis'... Mik'il br qsis' Btros ... bsnt 'lp ohms m" otitin 5 
dSkndros br Pilipos . . . birh' t'moz bh ...b' 'd' dMrt' hsit' 'mh dSm'on risstoni'. 

Das ist also der 5. Juli 1536A = 1225 a.d. Der Tora 'elaia, der „höhere Bern" ; st 
das Gebirgsmassiv, auf dem auch das Kloster des Erzstyliten Simeon lag; doch isr 
Marta, an deren Fest der Kodex beendet wurde, die Mutter des jüngeren Styliten - 
ihr Fest variiert am 4., 6. und 8. Juli (vgl. F. G. Holweck, A biographical dictionary f 
Saints, St. Louis 1924, S. 665). Im Kloster des Erzstyliten ist der Psalter Sinai syr 
128 August 1229 vollendet worden. Der Tora 'elaia ist heute der Djebel elA'la und 
dessen Fortsetzung, der Djebel Sem' an, wo das Kloster des Erzstyliten war. Das Dorf 
Talfita, in dem das Kloster des hl. Thellalios sich befand, existiert, soweit ich sehe 
heute nicht mehr; ein anderes Talfita liegt nördlich Damaskus (Dussaud, Tafel 
IV AI). 

Es ist von ausschlaggebender Bedeutung, daß der griechisch-syrisch gemischte 
Kodex Sinai syr. 208 im vorderen Orient angefertigt wurde. Man hätte denken 
können, daß die gemischten Handschriften eine Eigentümlichkeit des Sinai seien, wo 
griechische und syrische Mönche zusammen lebten. Aber der Sinai syr. 208 zeigt, 
daß die griechisch-syrische Mischung der syrischen Handschriften schon vorher im 
vorderen Orient existierte - der Sinai syr. 208 ist 1225 geschrieben, der auf dem 
Sinai geschriebene Sinai syr. 25 erst 1255. 

Sinai syr. 210. Kolophon f. 217v.: ...iom g l'pi 5 s'in h birh' 'd'r: 'snt 5 'lp' otmn 
m" otlt' l'bon 'dm osnt 'lp otlt m" otlt Imoldh diso' msih' bpgr: o snt 'lp st m" ö ISkndr ... 
Johnn qsis' ... mn qrit' . . . M'r Smsin . . . Tor SM. 

Das ist wieder der schon bekannte Johann bar Ja'qob des Sinai syr. 156. Besonders 
interessant sind immer Mehrfachdatierungen, wie hier eine vorliegt. Die Hand- 
schrift wurde vollendet Dienstag gegen 6 Uhr am 8. März 6803W = 1303 JC = 
1606A = 1295 a.d. Hier ist alles in Ordnung, und der 8. 3. 1295 war auch tatsächlich 
ein Dienstag. 

2. Sonntagsoktoechoi mit Menäen 

Die beiden Handschriften dieser Gruppe bringen zuerst eine Oktoechos und dar- 
auf die Hauptfeste aus den Menäen. Es handelt sich um die Handschrift Sinai syr. 48, 
eine Handschrift des syrischen Melchisedek-Ordo, und um die Handschrift Sinai 
syr. 220, eine gemischte Handschrift, die mit Sinai syr. 25 sehr genau übereinstimmt. 



pie Handschrift Sinai syr. 48 ist am Anfang und am Ende defekt und damit ist 
J e r Kolophon leider verloren. 

Sinai syr. 220. Kolophon f. 244v.: ... iom sbt' I birh' nisn snt' st 'Ipin Isb'm" o't 
c'stin H'ltn omoldh diso' bpgr snt' 'lp om'tin o't ostin: ktbh bTor Sin ... Iohnn diri' br 
Mnsor mn 'tr' dSizr. 

Das ist wieder Johann bar Mansur, und wir erfahren nunmehr, welches seine Hei- 
, na t ist: das Städtchen Shizar nordwestlich Hama am Orontes, das klassische Larissa. 
Ix vollendete die Handschrift auf dem Sinai am 30. April 6769W = 1269JC = 
01 a.d. Man sieht wieder, daß man das Jahr nach Christi Geburt aus der Weltära 
durch Subtraktion von 5500 erhält und daß Jesu Geburt also im Jahr 9 vor Christus 
na ch unserer Zeitrechnung liegt. Der 30. 4. 1261 war tatsächlich ein Samstag. 

3. Menäen 

Defekt und ohne Kolophon sind die auch hierher gehörigen Handschriften Sinai 
s yr. 18, 22, 44 und 50 (nur einige Hauptfeste). Der Sinai syr. 113 ist überhaupt nur 
ein Fragment von 47 Blättern. 

Sinai syr. 78. Dezember. Kolophon f. 325: ... iom h~ b birh' tsrin ä snt st 'Ipin 
osb'm" ostin oh d'dm . . . qsis' Iohnn br Mnsor mn'tr' dSizr . . . 

Also Donnerstag, 2. Oktober 6768W = 1259 a.d. von Johann bar Mansur aus 
Shizar. 

Sinai syr. 85. Februar. Kolophon f. 224: . . . iom b~ M lzh~ birh' knon b snt' st 'Ipin 
osb'm" ostin ost l'bon' dm omn Bf 'lksndros 'lp ohmsm' (') ostin o't ...bdir' qdis" Tor Sin 
... diri' Iohnn br Mnsor mn 'tr' dSizr ... 

Der 28. Januar 6766W = 1569A = 1258 a.d. war tatsächlich ein Montag. Es war 
wieder Johann bar Mansur, der die Handschrift auf dem Sinai schrieb. 

Sinai syr. 87. Januar. Kolophon f. 337v. : ...iom 3 hl bib btsrin l: snt st 'Ipin ozm" 
oh ostin l'bon 'dm: bdir' qdTs Tor Sin . . . diri' Iohnn br Mnsor mn 't' dSizr . . . 

Also Mittwoch, den 12. November 6768W = 1259 a.d. auf dem Sinai von Johann 
bar Mansur geschrieben. 

Sinai syr. 88. Juni. Kolophon f. 235v.: ... Sm'on br Ptros ... diri' ... ktbh Idir' 
<[iist' dTor Sin iom dblbkh bsbtsnt'lp ohm" osh mn mnin d' lksndros br Pilipos Mqdoni' . 

Shem 'un bar Petros schrieb die Handschrift also auf dem Sinai und vollendete 
sie Mittwoch, den 25. Februar 1565A = 1254 a.d. 

Sinai syr. 91. Februar bis August. Kolophon f. 309v. : ...snt st 'Ipin osb' m" ots'in 
i? l'bon 'dm iom 'robt' i birh' 'b bdir' omqds' Tor Sini biomi 'pisqop' ...'rsnios ... diri' ... 
Iohnn br I'qob ...mn qrit' dSmsin . . . 



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H. Hustnann 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



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Im Jahr 6794W = 1286 a.d. war der 10. August ein Samstag, nicht ein F re ' 
wie der Kolophon angibt. Solche Unstimmigkeiten begegnen öfter in den K 1^' 
phonen, und es ist schwer vorstellbar, wie sie entstehen. Daß man sich im Woch 
täuscht, ist vielleicht unwahrscheinlicher als daß man sich im Datum irrt M" l' f 
ist es auch, daß die vom vorderen Orient kommenden Mönche mit arabi 1 
Muttersprache nach der Hedschra rechneten und dann beim Umrechnen in l" 
Weltära einen Fehler machten. Tatsächlich findet man auch Korrekturen an d^ 
Jahresangaben, vgl. unten den Sinai syr. 261. Endlich kann man sich denken, daß d' ■ 
Tageszahlen von den heutigen abweichen, weil die syrischen Monate nicht stets 
demselben Tag beginnen wie die Monate unserer Zeitrechnung. 

Die Handschrift Sinai syr. 91 ist dadurch besonders wichtig, daß sie den <*anzc 
Hymnos Akathistos mit sämtlichen Strophen in syrischer Übersetzung enthält 

Sinai syr. 212. Juli. Kolophon f. 200: ... diri' ... Sm'on br Ptros mn qrit' ... R omn > 
iom b bs snt'lp oh m" os oz mn mnin' d'lksndr ...blz bknon b. 

Dies ist wieder Shem'un bar Petros, der laut Sinai syr. 88 (siehe oben) auf dem 
Sinai schrieb. Der Kolophon verrät uns diesmal seine Heimat: Rumana. Ein Roum- 
man liegt westlich Djedide (Dussaud, Tafel I B 1), ein Roummane östlich Haifa 
(Dussaud, Tafel I B 3) ; aber es kommt wohl noch eher ein ' Ain er-Romane bei Alcv 
(südöstlich Beyrouth) in Frage (Dussaud, Tafel III B 2) ; aber es gibt auch ein Er- 
Roumane (Dussaud, Tafel III D 2) nördlich Damaskus, die Heimat des Schreibers 
des London, add. 17236 (siehe Katalog Wright, S. 320). 

Das Datum des Kolophons, Montag, 17. Januar 1567 A = 1256 a.d. ist in Ordnung. 

Weitere Eintragungen auf f. 93v. und 199v. geben den Sinai und mit biomi '),' 
miqr' Mq'rios einen Verweis auf die Amtszeit des Abtes Makarios. Ein solcher steht 
in Cheikhos Manuskript (s. oben, S. 418) tatsächlich zum Jahr 1248. 

Sinai syr. 233. November. Kolophon f. 194v.: ... iomg bl biö bknon b ... Sm'on 
br Ptros mn qrit' ... Romn' ... Mir' qdist' dTor Sini ... snt 'lp o hms m" osg mn sni' 
d'lksndros ... 

Das ist wieder derselbe Schreiber wie bei Sinai syr. 88 und 212. Den Sinai syr. 233 
beendete er Dienstag, den 16. Januar 1563A = 1252 a.d. 

Sinai j;yr. 237. August. Kolophon f. 287: ... iom sbt' lg birh' tmoz: snt' st 'lpin 
osb'm" oso l'bon 'dm: ol'ilidoth dmrn Iso' msih' bpgr 'lp om'tin osö ... Tor Sin ... diri' 
Iohnn br Mnsor . . . 

Dies Manuskript gehört also zu den von Johann bar Mansur geschriebenen 
Menäen 78, 85 und 87, so daß jetzt Dezember, Januar, Februar und August zusam- 
men sind, so daß man annehmen darf, daß es ursprünglich eine komplette Reihe- 
aller zwölf Monate war. Dasselbe darf man auch für die Menäen des Shem'un bar 
Petros annehmen, von denen Juni, Juli und November erhalten geblieben sind. 



per Sinai syr. 237 wurde vollendet am Samstag, den 13. Juli 6766W = 1266JC = 
,258 a.d. Auch der Wochentag ist in Ordnung. 

Sinai syr. 111. Dies Manuskript ist ein Spezialmenäon, das nur Feste eines einzigen 
geiligen, des hl. Elias, enthält, ergänzt durch ein Commune sanetorum und einige 
Hinzufügungen. Dieser besondere Charakter der Handschrift hängt mit ihrem 
Entstehungsort zusammen: wie der Kolophon angibt, ist sie im Kloster des hl. Elias 

j der Gottesmutter auf dem Schwarzen Berge bei Antiochia geschrieben. Der drei 
Se j te n lange Kolophon steht f. 386v.-387v. Die hier interessierenden Stellen lauten: 
Gbri'il . . . qsis' . . . od'tr' din dmoldh 'it lh Miprqt mdint shd' 'tr' dmdnh' pnit' dDqlt 
tf r b' ... okd bdir' dildt 'lh' hi dmtkni' 'pisqopot' ho bpnith dTor' 'okom' l'l mn min 
jRoss ... iomin l'bon Sim'oon ptri'rk' d'ntioki' mdint 'lh' ... ktb' hn' dqnon' d'ito pnisir' 
(wohl pnisid', gr. pannychida) biom 'rb" bts" s' in bi iomin mn (i)rh brik' knon ä bsnt ö 
'hin osb'm" on' l'dm omn mnin d'lksndros ... bsnt 'lp' ohmsm" o'rb" ohmsin dioni' omn 
\m omoldh dmsih' bsnt 'lp' om'tin on' ... 

Der Schreiber Gabriel kam also aus Maifarqat am Tigris und schrieb im Kloster 
der Gottesmutter (und des Elias) auf dem Schwarzen Berge (Amanus, heute Djebel 
Loukkam nordwestlich Antiochia) hoch über dem Hafen von Rhosos (Arsouz). 
Er vollendete die Handschrift zur Zeit des antiochenischen Patriarchen Simeon, 
Mittwoch um 9 Uhr am 10. Dezember 6741W = 1554A = 1241JC = 1232 a.d. 
(vom 1. 9.-31.12. beträgt der Unterschied der beiden Rechnungen nach Christi 
Geburt also 9 Jahre). Auch der Wochentag ist in Ordnung. Der melkitische Patriarch 
Simeon regierte nach V. Grumel, La chronologie (= Traites d'etudes byzantines I), 
Paris 1958, S. 448, von „vor 1206" bis „nach 1235". Derselbe Schreiber wird noch 
einmal beim Sinai syr. 81 begegnen. 

4. Menäen mit Triodion 

Zu dieser Gruppe gehören drei syrische Sinaihandschriften. Die wichtigste ist der 
Sinai syr. 27, wieder eine der „syrischen Ordnung". Leider hat auch sie wieder weder 
Anfang noch Ende und somit fehlt der Kolophon. Die beiden anderen Handschriften 
sind der Sinai syr. 90 und der Sinai syr. 131. 

Sinai syr. 90. Kolophon f. 278: ... iom ~h~ k~k~ birh' 'b snt' st 'lpin osb'm" osb'in otlt' 
l'bon 'dm bdir' ... Tor Sin' ... din lohnn br Mnsor mn qrit ... Mhrdh b'tr' dSizr: ktbh 
Iqsis' Sm'on din bTor Sin' ... 

Das ist wieder Johann bar Mansur, der diesmal für den Priestermönch Simon des 
Sinai arbeitet - er selbst ist Mönch und ebenfalls zum Priester geweiht (s. Kolophon 
syr. 78). Das Datum Donnerstag, 20. August 6773W = 1265 a.d. ist in Ordnung. 
Über seinen Heimatort gibt Johann bar Mansur diesmal eine besonders präzise 
Auskunft: es ist nicht die Stadt Shizar selbst, sondern das in ihrem Bezirk gelegene 
Dorf Mhrdh, das heutige Mouharde südwestlich von Shizar (Dussaud, Tafel VIII B 2). 



288 



H. Husmann 



Sinai syr. 131. Kolophon f. 266: ... Sm'on br Ptros mn qrit' ... Romn' A- •> 
iom h bs l'pisits'in bkdbknon äsnt'lp ohmsm" ohmsin odmn mnin' d'lksndros 

Der Schreiber ist der uns schon bekannte Shem 'un bar Petros. Er vollendet rl' 
Handschrift Donnerstag gegen 6 Uhr am 24. Dezember (also Heiligabend) 1554 a"! 
1242 a.d. Aber in diesem Datum ist wieder ein Fehler: der 24 12 1?49 , ~~ 
Mittwoch. " 2 War ci » 

5. Triodien 

Von den sechs syrischen Triodien der Bibliothek des Sinaiklosters sind wieder d ' 
defekt: Sinai syr. 4, 70 und 71. Dagegen haben Sinai syr. 77, 80 und 207 ihre KoT' 
phone. 

JSmai syr. 77. Kolophon f. 284v. : . . . iom g l'pi ö s'in h~ btmoz irti; snt 5 'Ipin oz w" 
omh l'bon 'dm: . . . Sm'on br M'V br Polpdl mn qrit' . . . M'lol' . . . 

Dieser Sm'on br MT br Polpdl aus Ma'louT, dem bekannten Ort nördlich Damas- 
kus, in dem man noch heute Syrisch spricht, vollendete dieses Triodion also Dienstag 
gegen 6 Uhr am 5. Juli 6745W = 1237 a.d. Auch in diesem Datum steckt ein Wider- 
spruch: der 5. Juli 1237 war ein Sonntag. Derselbe Schreiber hat einen der wichtig- 
sten syrischen Kodizes überhaupt, den Sinai syr. 261 (siehe gleich) geschrieben, und 
dort hat er im Datum korrigiert. 

Sinai syr. 80. Kolophon f. 378v.: ... iom sbt' dnohr' rb' lg~(.) nisan lli' dpsli l'pi th 
s'in bioni' : snt 'lp' oh q öh l'bon 'dm... bdir' qdist' dTor SM . . . biomi 'posqopos Gbriil 
diri' Mti br 77 mn qrit' Bsirin mn 'tr' dmdint Hm mn 'tr' d'ntiosi' dSori' . . . 

War der Sinai syr. 131 Heiligabend fertig geworden, so der Sinai syr. 80 in der 
Osternacht in der 3. Tagesstunde. Der 13. April 6805W = 1297 a.d. war auch 
richtig ein Samstag; Ostern war in diesem Jahr am 14. April. Der Schreiber kommt 
aus Besirin südlich Hama (Dussaud, Tafel VIII B/C 3). Der Bischof Gabriel fehlt in 
Cheikhos Liste; er gehört hinter Arsenios, der bis 1295 a.d. belegt ist (siehe Sinai syr. 
203) und vor Cheikhos Nr. 21, Simon III. 



Sinai syr. 207. Kolophon f. 308v.: ... iom 'robf ö b 'ir irlt : snt st' 'Ipin osb' m" 
ots'in o v st l'bon '<&»:. . . bdir' qdis" dTor SM l'dt' qdist' dmrtn ildt 'lti l'h' sofi'i' dbdir' hn' . . . 
bdrg' dkhnot' smh Sm'on br Iosp . . . 

Dieser Shem'un bar Iusep vollendete diese Handschrift auf dem Sinai, wo er sie 
für seine „syrischen Brüder" (er selbst war Priester) schrieb, Freitag, den 6. Mai 6796 
W = 1288 a.d. Aber wieder stimmt das Datum nicht in sich: der 6. 5. 1288 war ein 
Donnerstag. 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 289 

6. Triodion mit paläobyzantinischer Neumierung 

per Sinai syr. 261 ist ein ganz einzigartiges Manuskript: er trägt eine paläoby- 
«ntinische Neumierung, die beim zweiten Faszikel der Eothina durch mittelbyzan- 
rjnische Zeichen ergänzt wird. Die paläobyzantinische Notation ist eine voll ausge- 
bildete Coislin-Schrift. Da die Überlieferung des zweiten Eothina-Faszikels erheblich 
verschieden von der des ersten ist, beide also aus verschiedenen Vorlagen geschrieben 
• e in müssen, sieht man sofort, daß noch mehr neumierte Manuskripte existiert haben 
müssen. Die Handschrift gehört zur „syrischen" Gruppe. 

Wegen der ganz singulären Bedeutung dieser Handschrift gebe ich sie in den Göttinger 
Orientforschungen in Faksimile heraus. Die dortige Einleitung gibt die Beschreibung der 
Handschrift und behandelt ihre liturgische Stellung im Vergleich mit anderen griechischen 
u nd syrischen Triodien. Der musikalischen Überlieferung der Handschrift widme ich eine 
eigene Studie im 1. Band des neuen „Hamburger Jahrbuches für Musikwissenschaft". 

Der Kolophon steht f. 257: ... ktbh bTor SM bdir' qdis' snt st 'lp osb' m" /Rasur/ 
jrh'in ohd, korrigiert in b, l'bon 'dm mn qrit' . . . M'lol'. Br MT br Bolpdl . . . 

In diesem Kolophon hat der Schreiber seinen Namen vor der Nennung seines 
Heimatdorfes vergessen und dann nachgeholt. Dabei hat er dann wieder seinen 
eigenen Namen Sm'on (siehe den Sinai syr. 77) vergessen. Im Datum ist eine größere 
Stelle von wenigstens zwei Worten radiert. In dem nun Folgenden ist 1 in 2 korri- 
giert. Das korrigierte Datum lautet dann 6742W und das entspricht dem Zeitraum 
vom 1.9. 1233 bis 31. 8. 1234 a.d. 

7. Hirmologien 

Von den beiden Hirmologien syr. 40 und syr. 64 stammt das erste wieder aus dem 
vorderen Orient. 



v< 



Sinai syr. 40. Kolophon f. 137: . . . snt 'lp otlt m" osb'in mn In? dioni' iom trin bts 
t'in bio birh' 'ilol . . . diri' Simon ...mn 'tr' dDoqs'. 'mr din bdir' qdist b'omrh dMri P'lld 
im l'l mn 'im bTor' d'mhf ohn ktb' l'b' Srgis Sms' brh dQpstntin mn qrit' Gnidos . . . 

Das Datum hat wieder eine Unstimmigkeit: der 16. September 1370 A = 1058 
a.d. war kein Montag, wie im Kolophon steht, sondern ein Mittwoch. Er war ein 
Montag im Jahr 1056 a.d. Tatsächlich ist hinter sb'in im Manuskript ein freier Platz, 
Jen der Schreiber vielleicht reserviert hatte, um das Jahresdatum noch exakt zu 
formulieren. 

Der Schreiber stammte aus Duksa. Dies ist aus Kreuzfahrerberichten (siehe R. 
Dussaud, a.a.O., S. 429) bekannt als Duci Sedium und man verlegt es westlich Antio- 
diia in die Ebene am Meer, so daß es dem alten Seleukia Pieria und dem heutigen 
Souwaidiya entsprechen würde. Der Schreiber lebte im Kloster des hl. Palladios 
über 'im, dem heutigen 'imm bzw. Yeni-Shehir (Dussaud, Tafel X A 1) und der 
V d'mhf' kann nichts anderes sein als der schon mehrfach erwähnte Tor' d'W. 



290 



H. Husmann 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



291 



Er schrieb für den Abt Sergis Semsa bar Qonstantin aus Gnidos, das ich nicht 'd 
tifizieren konnte - es ist wohl kaum das bekannte Knidos; denn der Herr Aht ;„- • 

v 1u l ist ein 

Syrer, wie sein Beiname Semsa zur Genüge beweist. 

Sinai syr. 64. Vom Kolophon fehlt wegen Verlust des nächsten Dopp e lbh ff 
der Schluß. Aus dem auf f. 155 Erhaltenen interessiert Folgendes: ... snt st 7 ■ 
osb'm" ostin og l'bon 'dm; iom sbt' ib birh' hzirn bdir' omqds' Tor Sini bdok' o'tr' nt ' 
Rboh ' l tr'sr slih' l'dt' qdist' lildt ' W b Tor Sini: . . . Iohnn br (Rest fehlt) . V 

Das Datum Samstag, 12. Juni 6763W = 1255 a.d. stimmt in sich. Der Schreib- 
Johann br ... fertigte die Handschrift für die Kirche der Gottesmutter auf dem Sim' 
bei dem Kloster Sinai in Roboe. Dies ist eine Dependance des Klosters, die z B 
erwähnt wird in der Bulle des Papstes Honorius III vom 6. August 1217 - man 
vergleiche die Edition von G. Hofmann, Sinai und Rom, in: Orient. Christ. IX, 1927 
S. 243. 

8. Kanonarien 

a) Parakletische Kanones 

Auch unter den syrischen Handschriften finden sich Übersetzungen einer beliebten 
griechischen Handschriftengattung, die „parakletische Kanones" enthält. Ich behalte 
die Bezeichnung „Kanonarion" bei, obwohl sie sehr unglücklich ist, da man auch 
Handschriften mit juristischen Kanones so benennt. Aber man darf dann nur 
Handschriften so bezeichnen, die nur Kanones endialten. Wenn Stichera zu den 
Kanones hinzutreten, ergeben sich komplette liturgische Formulare, und man hat 
Oktoechoi, Triodien, Menäen usw. vor sich. 

Der Sinai besitzt drei syrische parakletische Kanonarien, Sinai syr. 83, 95 und 203. 
In allen drei Handschriften ist auch der Kolophon erhalten. 

Sinai syr. 83. Kolophon f. 254: ... iom h bö mn irh 'dr snt st' 'Ipin otmn m" ohd' 
l'bon 'dm omn sni' d'lksndros snt 'lp ostm" o'rb' omn sni' dmsih' snt 'lp otltm" ohd' : 'tktb 
bdir' qdis' dTor Sini l'dt' qdist' dildt 'lh' . . . khn Sm'on br Iosp . . . oslo 7 'hon Polos . . . 

Der Kolophon gibt Donnerstag, 6. März 6801W = 1604A = 1301 JC = 1293 
a.d. an, während dieser Tag aber ein Freitag war. Der Schreiber ist der uns schon 
vom Sinai syr. 207 bekannte Sm'on br Iosp - auch im Sinai syr. 207 stimmte das 
Datum nicht. 

Sinai syr. 95. Kolophon f. 207v. : . . . Iohnn bri T'odoros mn qrit' . . . Sidn'i mn 'ml' 
Drmsoq mn Tor' dSnir omn qlim dHlbon l'pi tlt s'in iom dkh 'ilol sntö'lphqd l'bon 'dm . . . 
bdir' qdis' dTor Sin' . . . 

Das Datum Mittwoch, 28. September 6804W = 1295 a.d. stimmt in sich. Der 
Schreiber kam zum Sinai aus Seidnaya nördlich Damaskus (Dussaud, Tafel IV A 1) 
im Tur Senir, dem heutigen Hermon, in dem Distrikt (von gr. klima) Halbun oder 
Heibon, einer Stadt, die als Bischofssitz im add. 12148 (siehe Katalog Wright S. 265) 



g 1 



Jeich hinter den Patriarchaten und Erzdiözesen Antiochien, Alexandria, Jerusalem, 
Liberias, Damaskus steht, im Norden von Damaskus (Dussaud, Tafel III D 2). 

Sinai syr. 203. Kolophon f. 254v.: ... iom sbt' l'pi ö s'in Tb birh' sbt 'snt ö 'lp' osb' 
„i" oft "? l'b° n 'dm ■ ■ ■ Mti diri' . . . bdir' qdis' dTor Sini . . . biomi 'prisqop' 'rsnios , . . 

Im Datum paßt der Wochentag wieder nicht zu den übrigen Daten; denn der 
12. Februar 6798W = 1290 a. d. war ein Sonntag und kein Samstag, wie der Kolophon 
jn gibt. Ein solcher war er das Jahr vorher, 1289. Die Regierungszeit des Abtes Arsenios 
stim mt auch hier; vgl. Sinai syr. 156 (1289 a.d.), 210 (1295 a.d.) und 91 (1286 a.d.). 



b) Großer Bußkanon 
Der Sinai syr. 36. besteht neben wenigem anderen aus dem Großen Bußkanon 
J es Andreas von Kreta, ist aber leider wieder defekt. 

Der Sinai syr. 146. hat auf f. 99 seinen Kolophon. Darin finden sich folgende 
Angaben : 

. . .7 'pi ts' s'in iom dtri' bit b'd'r: snt 'lp ohms mo mn d'lskndr . . . Pim s Imt s'dit -am 
Rand Pils - br Shoi: mn qrit . . . Sd'ni . . . 

Das Datum ist in Ordnung: der 19. März 1546 A = 1235 a.d. war ein Montag. 
Seinen Namen hat der Schreiber weit auseinandergezogen und am Rand korrigiert. 
Sein Heimatdorf ist wohl wieder Seidnaya - am Ende hat er das Alep weggelassen; 
der Name variiert überhaupt, denn im Sinai syr. 215 ist Sdn'in geschrieben, im Sinai 
syr. 227 Sdni'il geschrieben. 

Es sei hier hinzugefügt, daß der Große Bußkanon auch im Sinai syr. 90 (siehe 
oben unter Abt. 4., Menäen mit Triodion) enthalten ist. 

9. Horologien 

Diese fünf melkitischen Horologien des Sinai, die Handschriften Sinai syr. 116, 
151, 158, 166 und 169 besitzen Kolophone, Sinai syr. 151 und 158 aber nur in arabi- 
scher Sprache. 

Rev. Hanna Ibrahim vom Syrisch-Orthodoxen Patriarchat, z. Zt. am Pontificio Istituto 
Orientale studierend, war so liebenswürdig, mir diese Kolophone zu übersetzen, wofür ich 
auch hier herzlich danke. 

Eine große Anzahl der syrischen Handschriften des Sinai tragen außer den syrischen Kolo- 
plionen auch noch arabische. Das Studium dieser Kolophone könnte eventuell einige der un- 
Mmmigen Daten der obigen Kolophone berichtigen. Das muß ich einer anderen Gelegenheit 
°<kr jemand anderem überlassen. 

Sinai syr. 116. Kolophon f. 199v.: ...iom Ib bUbisrin l: snt st' 'Ipin osb' m" ots' 
"> ohd l'lm' . . . khn diri' 'rsni . . . 

Der Priestermönch Arsenios schrieb dieses Horologion also am Samstag, den 14. 
November 6791 W = 1282 a.d.; das Datum ist einwandfrei. 



292 



H. Husmann 



«ismet, f> stel 



Die Handschrift ist dadurch besonders bemerkenswert, daß sie die Mak- 
vollständig, d. h. auch für die Wochentage, enthält. Das ist unter den Sinai] "j 
Schriften nur noch der Fall bei dem Sinai syr. 261. 

Sinai syr. 151. Arabischer Kolophon auf f. 149. Die Handschrift ist geschri 1 
von Mansur bn Ishäq im Februar 1505 A = 1194 a.d. 

Sinai syr. 158. Arabischer Kolophon auf f. 146v. Die Handschrift ist geschriel 
20. August 1589 A = 1278 a. d. von Antun, Superior des Klosters Mär Tüma ' 
Al-Zabadänl für Yuhanna bn Al-sek Iusef in Al-Zabadäni. Die Stadt Zebedani 1 
nordwestlich Damaskus (Dussaud, Tafel III D 2). 



legt 



Sinai syr. 166. Kolophon f. 248v. : . . . snt 'st'lp sb' (korrigiert aus etwas anderem] 
m" osb'in ohms mn mnin d'bon 'dm bin qdist' ombrkt' Tor Sini b'dt' qdist' dildt'lti 
Folio 249 ist so gründlich radiert, daß nur noch wenige Buchstabenreste erkennbir 
sind. Hier hat sicher der Name des Schreibers und seiner Heimatstadt gestanden. 

Die Handschrift ist also auf dem Sinai geschrieben, und zwar im Jahre 6775W 
das die Zeit vom 1. 9. 1266 bis 31. 8. 1267 umfaßt. 

Sinai syr. 169. Kolophon f. 194: ... iom tlt' h birh' knon qdmi': snt ö 'lp' ot()m - 
Rasur, es kann nur tmn richtig sein - m" oh Tbon 'dm bdir' qdis' Tor Sini diri' . . . qsis'. . 
Tom' . . . 

Der 8. Dezember 6808W = 1299 a.d. war tatsächlich ein Dienstag. Leider hat der 
auf dem Sinai tätige Schreiber seine Heimat nicht angegeben. 



10. Euchologien 

Die drei datierten Euchologien des Sinai sind ganz verschiedener Natur: Sinai syr. 
114 enthält die griechischen Liturgien des Johannes Chrysostomos, Basilios usw., 
Sinai syr. 140 ist ein Rituale, das auch den Begräbnisritus (Löoi') f. 174ff. umfaßt, 
Sinai syr. 255 enthält nur die Totenfeier und ist - hier besonders interessant - ein 
„gemischtes" Manuskript, der Hauptteil, wie der Titel angibt, ,,'ik dbioiii'", f. 39 
aber „btks' dsorii"'. 

Sinai syr. 114. Zwischenkolophon nach der Basiliosliturgie f. 72: ... iom im 
bsbt' dbsr' mn sbt sit 'lp ots' q otlt(i)n otrtn mn mnin' dsni 'bon 'dm bdir' Tor Sin . . . khn 
diri' ... Br N'mh mn qr' dmtid' bTor Snir ... 

Die Handschrift wurde also geschrieben am „Montag des Fleisches im Februar . 
genauer mrimänut besrä, „Enthaltung von Fleisch". Die Fastenwochen beginnen mit 
dem den Sonntag vorangehenden Montag, so daß der Montag der Fleischenthaltung 
(griech. apokreou) auf den Sonntag des verlorenen Sohnes (asötou griech.) folgt. 
der nach dem Sonntag des Pharisäers und Zöllners kommt, mit dem die (erweiterte) 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



293 



<ntspr 
Jso 



nzeit beginnt und der unserem letzten Epiphaniassonntag vor Septuagesimä 
icht (also eine Woche vor dem Beginn unserer Fastenzeit). Der Schreiber war 



erade noch rechtzeitig fertig, ehe die strengeren Vorschriften der engeren Fa- 

.„zeit begannen. Das Jahr ist 6932W = 1424 a.d. 

Mikrofilm un d Checklist geben 1620 a.d. an. Offenbar hat man aus sit „sechs" (das über- 
., ij e i Z ur Andeutung des Vokals e erscheint sehr häufig in mittelalterlichen syrischen Hand- 
• h iften) ht „Jahr" gelesen und aus dem ahm Adam einen Alexander gemacht; denn 1932-312 
' lT jbt gerade die merkwürdigen 1620. Diese sind wohl auch der Grund, weshalb der Film 

\ { 88 abbricht - die Expedition nahm Handschriften nach 1600 nur auf, wenn sie Minia- 
'. reu besonderen Wertes enthalten. Ich bin auf diesen Fall einer Diskrepanz zwischen meinen 
njten und denen der Expedition nur wegen des Unterschieds von fast 200 Jahren eingegangen - 
Jie übrigen Differenzen mag der Leser selbst feststellen. Bei der ganz exzeptionellen Bedeutung 
i; CS er Expedition hielte ich es für unfair, Kleinigkeiten aufzubauschen. 

per Sonntag „Asötou" = Septuaginta war (Lietzmann a.a.O., S. 96, Kolonne 
15A, v<d. S. 57) 1424 der 20. Februar, der „fleischlose Montag", also der 21. Februar. 

Mit diesem Datum hat die Handschrift für die Erkenntnis des liturgischen Lebens 
auf dem Sinai eine ganz besondere Bedeutung. Man ist sehr gut darüber unterrichtet, 
Jaß das syrische Element gegen Ende des Mittelalters im Sinaikloster gänzlich vom 
Neckischen zurückgewiesen wurde. So schreibt B. Moritz, Beiträge zur Geschichte 
,fa Sinaiklosters im Mittelalter nach arabischen Quellen (= Abh. Kgl. Preuß. Akad. 
Wissjg- 1918, Phil.-hist. Kl., Nr. 4), S. 3, Anm. 1 : 

Syrer und Armenier wurden im 15. Jahrhundert (nach Breitenbach 1483) überhaupt nicht 
mehr in das Kloster eingelassen. 

Unsere Handschrift gibt hierfür ein weiteres präzises Datum: sie zeigt, wie auf dem 
Sinai im Jahr 1424 noch eine Handschrift für den syrischen Meßgottesdienst ange- 
fertigt wurde, während 1483 schon keine neuen Syrer mehr aufgenommen wurden. 

Der Schreiber Br N'mh kam wieder aus dem Tur Senir, dem Hermon westlich 
Damaskus. 

Sinai syr. 140. Kolophon f. 311 : ... iom b bl bd birh tsrin ä snt 'lp hmsm" otitin o g 
h(!) 'ihsndros br Pilpos . . . msmsn R'p' brjonn dmn qrit' . . . Sidn'f . . . 

Das Datum ist einwandfrei: der 4. Oktober 1533 A = 1221 a.d. war richtig ein 
Montag. Der Schreiber kam wieder einmal aus Seidnaya nördlich Damaskus. 



iom h 



hzirn snt 'lp o tqo pb ioni' bdir' 



Sinai syr. 255. Kolophon f. 62v. : .. 
rf" dMri I'qob Bstodr . . . 'ntoni diri' . . . 

Der 4. Juni 1582A = 1271 a.d. war tatsächlich ein Donnerstag. Der Schreiber 
schrieb das Manuskript im Kloster des hl. Jakob in Beshtoudar, einem kleinen Flecken 
im Libanon genau östlich von Batroun (Dussaud Tafel V A 3). 



294 



H. Husmann 



11. Typika 



Von den beiden Typika des Hl. Sabas, die auf dem Sinai in syrischer Spracl 
liegen, ist in Sinai syr. 136, f. 252 der Platz für den Kolophon freigeblieben s !T~ 
hier nur der Sinai syr. 129 zu betrachten ist. ' 

Sinai syr. 129. Kolophon f. 145v.: ... b'snt 'lp ohmsm" osoz dioni' ; .. ■/•> 
Gorgis bsm q(s)if ... " 

Das Jahr 1567 A reicht vom 1. September 1255 bis 31. August 1256. 



12. Bibelhandschriften und Lektionare 

Ich habe beide Gruppen von Bibelhandschriften hier zusammengefaßt. Den 
nauen Inhalt möge man weiterhin in der Checklist nachsehen. Ebenso muß man sie] 
dort weiter über die undatierten Handschriften orientieren. Den neuen Katalog voi 
Murad Kamil, Catalogue of all manuscripts in the monastery of St. Catharim on Mouni 
Sinai, Wiesbaden 1970, mag man ebenso zu Rate ziehen. An datierten Bibelhand- 
schriften bzw. Lektionaren bleiben dann nur die folgenden übrig. 

Sinai syr. 1. Kolophon f . 237 : . . . bk~E mn tsrin b l'pi ts' s'in iom tlt bsb' : snt'lp o'rb'm 
(') : 1 1 mn siii d'lksndros . . . losp hti' mn qrit' . . . Q'r' . . . 

Der Schreiber Yussef beendete dies Manuskript also gegen 9 Uhr am Dienstag 
den 22. November 1439 A = 1127 a.d., und dieser Tag war auch ein Dienstag. Der 
Schreiber stammt aus Qara, einem alten Bischofssitz (siehe gleich den Sinai syr. 6) in 
der Mitte zwischen Damaskus und Homs. 

Sinai syr. 6. Kolophon f. 166v.: ... bqrit' ... Q'r' ... 'pis(q)o(p') dilh Mik'ildQ'r' 
br qsi(s') fqob br qsif Gorgios . . . snt 'lp o'rb(')m" opimn sni' d'lksndros Mqdo(ni'). 

Hier hat Bischof Michael von Qara selbst eine Handschrift geschrieben. Das Jahr 
1489A entspricht dem Zeitraum vom 1. September 1177 bis 31. August 1178. 

Auch heute noch pflegen hohe orthodoxe Geistliche ebenso wie ihre Priester und Diakonc 
Handschriften abzuschreiben. Als ich mit Erzbischof Kyrillos Görgis jeden Nachmittag die 
Tonaufnahmen machte, die ich dann als Die Melodien der jakobitischen Kirche (I.), in: Sitzungs- 
berichte Österr. Akad. Wiss. Phil.-hist. Klasse, 262. Bd., 1. Abh., Wien 1969, veröffentlicht 
habe, traf ich ihn auch einmal mit dem Abschreiben einer Handschrift beschäftigt. 

Sinai syr. 20. Kolophon f. 179: ... bdir' qdist' 'okit soq dMri 'li' tibi' bTor 'ohn 
d'lgnb mdint 'lli 'ntioki' : snt st' 'Ipin ohmsm "o^z (nicht etwa k~z oder anders ! ; dasselbe ' 
steht gleich zwei Zeilen vorher in '/) d'lm : ... T'odosi ... 'pisqo(p') d'st'l o'nu In 
tmnihid'it (2 Zeilen radiert) . . . 

Der Bischof Theodosios von Eshtoil (vgl. Thesaurus Syriacus Sp. 412) lebte also 
als Einsiedler auf dem Schwarzen Berg bei der „Stadt Gottes" Antiochia (dem antiken 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 295 

Tlieopolis") und schrieb die Handschrift im Kloster des hl. Elias im Jahr 6577 W, 
" j em Zeitraum 1. 9. 1068 bis 31. 8. 1069 a.d. entspricht. 

Sinai syr. 45. Kolophon f. 137: ... snt 'lp otltm" ohms' ohmsin b'b irh' iom tlt' 
$bt?!'in...Vqob... 

n aS Datum fehlt, und der Schreiber Jakob beendete diese Handschrift also an einem 
Dienstag des August des Jahres 1355 (A), was einem August 1044 a.d. entspricht. 

Sinai syr^75. Kolophon f. 337-338: ... iom sb l'pi sts'in bh bk~d birh' 'Hol: snt ö 
'/ni'H oh m" od l'bon 'dm: olmm Iso' msih' bpqr snt 'lp o gm" od: ol'lksdr ioni' snt 'lp ostm" 
~t 'tktb bdir' qdis' dTor' dSini ... biomi 'pisqopo 'rsnio ris' ddir' ... l'dt' qdist'dildt 'IV 
l'itih bdir' ho l'h' dsori'i' ... dirx ... Mti mn difi' dTor' dSini o'tr' dmoldh mdint Hm 
im qrit' ■ ■ ■ Bsirin mn 'bd' d'ntiosdSori' o'mr bdir' hn 'm 'h' m" onn: . . . 

Das Datum Samstag, 24. September 6804 W = 1304JC = 1607 A = 1295 a.d. 
j st widerspruchsfrei. Im selben Jahr entstand auch der Sinai syr. 210; vgl. dort. Die 
Zeit des Arsenios vergleiche man beim Sinai syr. 203, der ja auch von unserem 
Schreiber Matthäus angefertigt war. 

Die Angaben des Schreibers über seine Heimat sind diesmal besonders genau: 
«boren in Hama und aus dem Dorf Besirin (so auch im Sinai syr. 80) südlich Hama 
(Dussaud VIII B/C 3) in der Provinz Antiochia. 

Am interessantesten sind die Angaben über das Sinaikloster: er schreibt wieder 
für seine „syrischen Brüder" und er gibt an, daß er im Kloster zusammen mit 150 
Brüdern wohnt. 

Sinai syr. 81. Kolophon f. 189: ... biom 'robt' bts' s'in b~t iomin mn irh' brik' tmoz: 
hhit ö 'Ipin oz m" l'dm: omn siii' d'lksndros br Pilipos Mqdoni' 'lp' oh m" md: omn mnin 
Also' msih' 'lp' om 'tin om sninin: . . . Gbr'il . . . bmdint 'lh' 'ntioki' btor' dilh bdir' dMri' li' 
nbi' rm bnbi' bmdnh' dmdint' : ... Gbr'il br Mrqos diri' ... Gbr'il Miprqti' ... mn qrit'... 
Trmin mn 'ml' dmdint shd' Miprqt . . . 

Dies ist wieder der Schreiber des Sinai syr. 111, der sein Kloster hier als das des 
Elias bezeichnet, dem es nächst der Gottesmutter (so im syr. 111) gewidmet war. Als 
Heimat gibt er jetzt sogar das Dorf Trmin bei Maifarqat, der „Stadt der Märtyrer", 
dem antiken „Martyropolis", an. 

Das Datum Freitag, 9. Juli 6740 W = 1544 A = 1240JC = 1232 a.d. enthält einen 
Fehler: es muß 1543 A heißen. Der "Wochentag stimmt. 

Sinai syr. 92. Kolophon f. 218: ... iom sbt' ig dirh' 'Hol: snt ö 'Ipin o h m" l'bon 
'Am omn siii' diso' msih' bpgr 'lp otlt m" omn sni' d'lsk~n ... dioni' snt 'lp ost m" otlt' ... 
ps' Iohnn mn qrit' Kpor . . . bdir' qdis' dTor Sini . . . 

Im Datum steckt wieder ein Fehler: der 13. September 6800 W = 1300 JC = 
1603A = 1291 a.d. war ein Montag und nicht ein Samstag, wie der Kolophon 
angibt ; ein Samstag war er im Jahr 1289 a.d. 



296 



H. Husmann 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



297 



Der Schreiber kam von Kefour zum Sinai. Kef our gibt es zwei, das eine im T'K 
hinter Ghazir (Dussaud III B 1), das andere ebenfalls im Libanon weiter nö T^ 
(Dussaud V A 3) und östlich von Beshtoudar, wo der Schreiber des Sinai sv o- 
lebte. Hier liegen auch noch weitere, in den Kolophonen erwähnte Orte, Batr ' ^ 
(Sinai syr. 234), Qalhat (Sinai syr. 242), Kafr 'aqqa (Sinai syr. 102), Beziza (Siiu"" 1 " 1 
241) und Besha'ale (Sinai syr. 253), so daß es wohl das zweite der beiden K-f 
sein dürfte. Ur 



Sinai syr. 159. Kolophonf. 139v. nach dem Matthäusevangelium: ... i om b b] TT 
birh' sbt snt st 'Ipin osb'm" ostin otmni' l'bon 'dm: bäh' Tor' dSini: . . . Iohnn br Mns i " ? 

Wieder Johann bar Mansur aus Shizar! Der 23. Februar 6768 W = 1260 a d \ • 
ein Montag, wie der Kolophon angibt. 



ar 



Sinai syr. 215. Kolophon f. 188: ... snt 'lp ohmsm" otitin ohd' tnn sni' d'lksnriros 
brPilipos birh'dr iom h l'pi sit s'in ...bqrit' ... qrit'dSdn in ...iRpi' brjonn... 

Das ist der Schreiber des Euchologions Sinai syr. 140, dort R'p' geschrieben am 
Seidnaya nördlich Damaskus, hier Seidnayin genannt. Der Kolophon ist unvoll- 
ständig, da entweder das Tagesdatum oder der Wochentag fehlt, je nachdem man 
iom Ji als „Donnerstag" oder „5." auffaßt (wohl eher ersteres). Es bleibt als sicher 
also nur: März 1531 A = 1220 a.d. 

Sinai syr. 217. Kolophon f. 191v.: ... bsnt 5 'Ipin o h m" h l(')bon 'dm ... Iohnn 
qsi(s) ... b Tor Sini . . . 

Der Priester Johann vollendete diese Handschrift auf dem Sinai im Jahr 6805 W, 
das vom 1. September 1296 bis 31. August 1297 a.d. lief. 

Sinai syr. 222. Kolophon f. 206v.: ... snt sm 'st 'lp osb' m" osb'in ohms tnn tili' 
d'bon 'dm . . . bdir' ... Tor Sini . . . diri' . . . Iohnn br Ptros mn qrit' . . . Sdni' qrith' . . . dittt 
'lh' ... 

Mit diesem hübschen Kolophon hat man neben der „Stadt Gottes" Antiochia und 
der „Stadt der Märtyrer" Maifarqat nunmehr die „Stadt der Gottesmutter" Seidnaya, 
was etwa einem älteren „Marianopolis" entsprechen würde. Der Schreiber schrieb 
diese Handschrift auf dem Sinai im Jahr 6775 W, das den Zeitraum 1. 9. 1266 bis 
31. 8. 1267 a.d. durchläuft. 

Sinai syr. 227. Kolophon f. 237v.: ... snt st' 'Ipin otmnm" ohd' l'bon 'dm birh tmoz 
b(')rb't'sr iomin bh iom tlt btrin s'in bh ... qsis' obsm' dirion' Polos brDoid mn qirit ... 
dSdni'il mn Tor dSnir mn 'ml' Drmsoq mdint' . . . bdir' . . Tor Sini 

Der Schreiber kam wieder aus Seidnaya am. Hermon im Bezirk Damaskus. Er 
vollendete die Handschrift Dienstag, den 14. Juli 6801 W = 1293 a.d., was zusam- 
menstimmt, auf dem Sinai. 



Sinai syr. 234. Kolophon f. 123: ... snt 'lp ohmsm" k~ö mn sm dLksndros Mqdoni' 
■ nlbhl 'kg birh 'ix l'pi sit s'in biom' : bqrit' . . . Btromin bkor' dTripolis mdint' dSori' : ... 
\fMti---khn'... 

Es folgen weitere Mitteilungen von anderer Hand. 

p aS Datum Samstag, 23. Mai 1526 A = 1215 a.d. ist widerspruchsfrei. Der Schrei- 
i r Matthäus beendete das Manuskript in Batroumin (Dussaud V A 2) südlich Tri- 
polis nordöstlich Enf e. 

Sinai syr. 235. Kolophon f. 171 v. : ... bqrit' ... Gngr' d'it bh hikl' dhsi'Domtios 
ifor' dGngr' snt'lp ohmsm" o'srin osb' mnsni' dLksndros biom hbih b'b: 

Das Datum stimmt in sich: Donnerstag, 18. August 1527A = 1261 a.d. Geschrie- 
ben wurde das Manuskript in der Kirche des hl. Domitios auf dem Berg von Gangra 
bei der Stadt Gangra. 

Sinai syr. 236. Kolophon f. 298 : . . . bdir' qdiF dTor Sini . . . biomi 'pisqop' 'rsnios . . . 
Jiri" . . . Mti . . . d'tr' moldh mdint Hm mn 'bd' d'ntiosi' dSori' . . . 'tild mn 'bht' mhimn. . . 
um fit' ■■■ Bsirin ... iom 1 1 'pi st s('in) i iom' mn irh' 'dr: snt ö 'lp' otmn m" ob l'bon 
'im . ■ ■ omn shi dmrn Iso' msih' snt'lp gm" ob: ... 

Das ist wieder unser Schreiber Matthäus auf dem Sinai. Er war geboren in Hama 
und Sohn frommer Eltern aus Besirin, wie er hier feinsinnig und dankbar (ein Gebet 
für sie ist eingefügt) schreibt. Er vollendete die Handschrift Mittwoch, den 10. März 
6802W = 1302JC = 1294 a.d., was alles zueinander paßt, zur Zeit des Bischofs 
Arsenios, vgl. oben beim Sinai syr. 203. 

Sinai syr. 271. Kolophon f. 218: ... bdir' qdis' dTor Sini iom h l bsbt: snt st' 'Ipin 
osb' m" ots'in ost l'bon 'dm: . . . khn Sm'on br Iosp . . . l'h' . . . msmsn Iohnn hkim' . . . 

Der Priester Shem'on bar Yussef (siehe oben schon Sinai syr. 207 und 83) schrieb 
dieses Manuskript also auf dem Sinai für seinen Mitbruder, den Diakon Yohannan 
Hakim. Im Datum steckt leider ein Fehler; denn der 10. Februar 6796 W = 1288 a.d. 
war ein Dienstag, nicht ein Donnerstag, wie im Kolophon steht; ein solcher war er 
im nächsten Jahr 1289 a.d. 

Die Handschrift enthält auf f. 219 eine besonders schöne und klare syrische Oster- 
tafel. 

Sinai syr. 272. Kolophon f. 199v.: ... 'tktb bTor' qdiF dSini ...iom 'rop(t') h birh' 
'h l'pi sit s'in biom ho lli' dzoih' dmrn bTor Tbor: snt ö 'lp' oz m" osz l'bon 'dm: sni' 
ilso' msi(h') bpgr 'lp b~ m" osz: sni' d'lskndros dioni' 'lp ö m" ... Mti msmsn ... Ikhn 
Iohnn . . . biomi 'piskopo 'rsnio . . . 

Der Diakon Matthäus schrieb diese Handschrift auf dem Sinai für den Priester 
Johann. Der Tag ihrer Vollendung ist der 5. August, der Tag vor dem Fest der Ver- 
klärung Christi auf dem Berge Tabor (6. 8.). Das Jahr ist 6797 W = 1297JC = 
1600 A = 1289 a.d. In diesem Jahr war der 5. 8. ein Freitag, wie der Kolophon angibt. 



298 



H. Husmann 



13. Heiligenleben, Patristik 

Aus dieser Handschriftengruppe sind nur zwei Kodizes datiert, der Sinai svr 
(Leben heiliger Frauen) und der Sinai syr. 38 (Werke des Mar Isaia). Beide Ha 1 
Schriften sind mit ihren Entstehungsjahren 708 a.d. bzw. 758/759 a.d. die ältest 
datierten syrischen Handschriften des Sinaiklosters. 

Der Sinai syr. 30 ist eine der herrlichsten alten syrischen Handschriften, die w' 
besitzen, und seine Schrift läßt sich einer griechischen Unziale an die Seite stelle 
Der Kolophon f. 181 v. ist besonders schön geschrieben, aber leider so stark abgerieben 
daß nicht mehr alles zu erkennen ist. Ich lese folgendes : 

(')stlm din ktb' hn' bsnt 'lp ots'rs(') d'lksndros Mqdon(i') br Plipos (birh) (t)rnoz -am 
Rand vom selben Schreiber hg bh - biom tlt' bsb' b(t)s' (s'in) dioni : rhmohi dmm Uö 
msi(h') nhoon 'l hti' dktb ktb' hn ... gs' dmn imin 'n o'm(in) o'(min). 

Die Handschrift ist also an einem Dienstag, dem 3. Juli, gegen 9 Uhr vollendet 
worden. Vom Jahr erkennt man 'lp = 1000 und ts ..., was die Checklist offenbar zu 
ts'in = 90 ergänzt hat - 1090 minus 312 ergibt das 778 a.d. der Checklist. Aber hinter 
ts' ist r absolut deutlich; dahinter ist Platz für Alap, das die Handschrift bei den Zeh- 
nern gebraucht (siehe f. 180v. vorher), und das fehlende Semkath scheint klein über 
dem 'ain zu stehen so wie hn' über bsnt. Dann ist das Jahr 1019 A = 708 a.d., und in 
diesem Jahr war der 3. Juli auch ein Dienstag; im Jahr 1090 A minus 311 (des Juli 
wegen) = 779 a.d. war er ein Samstag. Das Jahr 708 a.d. paßt auch erheblich besser 
zu dem altertümlichen Charakter der Schrift als das Jahr 779 a.d. 

Der Sinai syr. 38 schließt seinen Kolophon f. 29 mit folgendem Satz: Ulm diu 
ktb' hn qdis' bsnt 'lp osb'in b dioni' : dhi hi snt m" o'rb'in d'sm'li'. 

Die Handschrift wurde also vollendet im Jahre 1070 A und im Jahr 140 H. Darin 
liegt ein Widerspruch; denn das Jahr 1070A läuft vom 1. 9. 758 bis 31. 8. 759, das 
Jahr 140H aber vom 25. 5. 757 bis 13. 5. 758, war also schon beendet, als das Jahr 
1070 A begann. Jedenfalls wird die Handschrift dann 758 a.d. geschrieben worden 



14. Psalterien 

Ich nehme hier wieder nur die mit einem Kolophon versehenen Handschriften 
auf - für die übrigen muß einstweilen noch die Checklist und Kamils Catahgw 
(s. oben) genügen. 

Sinai syr. 98. Kolophon f. 230v.: ... l'pi st (s'in) biom (fehlt der Tag) birh' nim 
snt'lp ohmsm" o'o dioni' ... 

Da Wochentag und Tagesdatum fehlen, ebenso der Schreiber seinen Namen nicht 
nennt, kann man nur feststellen, daß die Handschrift im April 1571 A = 1260 a.d 
geschrieben wurde. 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 299 

pie Handschrift enthält auf den Anfangs- und Schlußseiten Neumen der Raasted- 
c ] ie n Thetanotation und meiner „paläomelkitischen" Notation. 

Sinai syr. 101. Die Handschrift enthält auf f. 207v. einen arabischen Kolophon, 
Jen Re v - Hanna Ibrahim (siehe oben bei Sinai syr. 151 und 158) mir übersetzte, 
panach ist die Handschrift Dienstag, den 21. Januar 6890 W = 1382 a.d. vom Priester 
Arsänl geschrieben. Aber dieser Tag war ein Montag. 

Sinai syr. 102. Kolophon f. 190: . . . snt 'lp ost m" ölt mn sni' dioni' bqrit' dKpr'q . . . 
ßri Gbr'il mn qrit' dKpr'q' 

Leider ist das Datum verdorben, da es keine Einerzahl 1 gibt. Konjiziert man F, 
so ergibt sich das Jahr 1639 A, das vom 1. 9. 1327 bis 31. 8. 1328 lief. Der Schreiber 
stammte aus Kafr 'aqqa, wo er auch die Handschrift anfertigte. Dies Dörfchen liegt 
(Dussaud V A 3) südlich Tripolis östlich Amyoun vor dem Libanon. 

Sinai syr. 103. Kolophon f. 1: ... Dni'il brh dNsr iom sbt' Jh bh birh' sbt snt 'lp o 
l hi" om oz mn sni' d'lksndros br Pilipos Mkdoni' . . . 

Daniel bar Nasser schrieb die Handschrift also Samstag, den 15. Februar 1547A 
= 1236 a.d., welches Datum in diesem Jahr aber ein Freitag war. 

Sinai syr. 112. Kolophon f. 261v. : . . . snt 'lp ohmsm" o'rb'in osb' mn mnin d'lskndros 
k Pilipos . . . Srgis . . . 

Der Schreiber Sergios beendete diese Handschrift also im Jahr 1547 A, das vom 
1.9. 1235 bis 31. 8. 1236 a.d. lief. 

Sinai syr. 121. Kolophon f. 215v.: ... qsis Sm'on br Ohsi mn dD(..) snt 'lp ohms 
in" o'rb'in o'rb' mn sni' d'skndr br Pilipos omn 'dm st' 'Ipin osb' m" o'rb'in ohd' . . . 

Der Priester Shem'un bar Uchshi vollendete diese Handschrift also 1544A = 
6741 W, also zwischen 1. 9. 1232 und 31. 8. 1233. 

Sinai syr. 124. Kolophon f. 315v.: ... iom 1 bs bih bknon ä ... Sm'on br Ntros ... 
iiri' ... snt 'lp oh~ m" mn mnin' d'lksndros br Pilipos Mqdoni' obid Ü' (verschrieben für 
fi'i") snt ia ost m'(') . . . 

Der Mönch Shem'un bar Natros schrieb also im Jahr 1500 A, das vom 1. 9. 1188 
bis 31. 8. 1189 lief, und im Jahr 611 H, das aber vom 13. 5. 1214 bis 1. 5. 1215 ging. 
Es ist anzunehmen, daß letzteres das richtige Datum ist und daß er hinter 1500 A 
die Zehner und Einer vergaß: es lief 1525 A vom 1. 9. 1213 bis 31. 8. 1214 und 1526A 
vom 1. 9. 1214 bis 31. 8. 1215. 

Sinai syr. 128. Kolophon f. 179v.: ... snt st' 'Ipin osb' m" osb' tltin mn sni'd'lm'. 
omn moldh dmsih' proqn snt 'lp om" b~ oW birh' 'b l'pi st s'in bdir' Mr Sm'on ris 'stoni' 
Hör' dmtqr' 'W . . . Zgn't ...br qsis' Iohnn . . . 

Die Handschrift ist also im berühmten Kloster des Erzstyliten Simeon angefertigt - 
auf dem Tor' 'li', was hier also auch den heutigen Djebel Shem'un mit umfaßt. Die 



300 H. Husmann 

Handschrift wurde vollendet im August 6737 W = 1235 JC = 1229 a.d. Hier bet " 
die Differenz zwischen den Jahren JC und a.d. 6 Jahre, was wohl als Fehler und n' 1 
als eine abweichende Zeitrechnung anzusehen ist, vgl. V. Grumel, a.a.O. S 2?1 
wo eine um 6 Jahre vor unserer Zeitrechnung abstehende Rechnung nach Chr' ' 
Geburt nicht vorkommt. 

Sinai syr. 143. Kolophon f. 284v. : ... f iomin mn knon b~ snt 'lp ohms m" o'rb'' 
otrtin mn mnin' 'lksndros bri Pubs ioni' : osni 'dhni hgir st m" o'srin ottnrn' 

Das ist also der 10. Januar 1542A = 628H = 1231 a.d. Das verträgt sich, da d 
Jahr 628H vom 9. 11. 1230 bis 28. 10. 1231 lief. 

Ein zweiter Kolophon steht f. 289v. : ... knon b i iomin iom 'roh' snt ö 'lp oz w" 
otitin otd'bon'dm: osni' d'lskndro'lp ohmsm" om ob: osni' dbni hgr ö m" okh ... 

Hier steht auch der Wochentag: Freitag, was stimmt, und das Jahr 6739 W, was 
wiederum 1231 a.d. entspricht. 

Sinai syr. 155. Kolophon f. 210v. : ... iom sb iom z btsrin 'hm' snt 'st 'lp osb' m" 
ostin o'rb'. 

Das ist der 7. November 6764W = 1255 a.d., der aber ein Sonntag war, nicht 
ein Samstag, wie der Kolophon angibt. 

Ein zweiter Kolophon stand f. 259v., ist aber gänzlich ausradiert worden. 

Sinai syr. 157. Kolophon f. 258: ... iom 2 bsb bd birh' sbt snt st 'Ipin osb'm" ostin 
oh Wim' bdir qdis' Tor' dSini . . . diri' Iohnn br Mnsor mn 'tr' dSizr . . . 

Das ist wieder Johann bar Mansur aus Shizar, der diese Handschrift am Mittwoch, 
den 4. Februar 6768 W = 1260 a.d., auf dem Sinai vollendete. Der 4. Februar 1260 
war tatsächlich ein Mittwoch. 

Sinai syr. 165. Kolophon f. 243v.: ... bsnt 'st' 'Ipin osb' m" ostin ots' l'hon 'dm 
birh nisn ... qsis' bsm odirion Pols br Doid mn qrit' dSdni'il mn Tor' dSnir mn 'ml' 
dDrmsq mdint' . . . 

Dies ist der Schreiber des Sinai syr. 227. Er vollendet diese Handschrift im April 
6769 W = 1261 a.d., wie aus dem syr. 227 hervorgeht, auf dem Sinai. 

Sinai syr. 240. Kolophon f. 157v.: ... biom qdmi' d'dr irh' snt 'lp ostm" olg dioiii' 
bdir mqds' dTor Sini . . . 

Das wäre der 1. März 1633A = 1322 a.d., an dem das Manuskript auf dem Sinai 
vollendet wurde. 

Sinai syr. 241. Kolophon f. 237: ... iom 'robt' d'srin ob birh' 'b snt ö 'l'p oh m" 
og' l'bon 'dm: ... Grs: m: h~: bri Dmtri mn qrit' dBziz' mn 't' d'tr'plos bdir' dmrtn ilat 
'lh' Hm tor' ... 

Der Schreiber Gerasimeh (?) bar Dimitri aus Beziza (Dussaud, Tafel V A 3) süd- 
lich Träblos (= Tripolis) schrieb diese Handschrift im Marienkloster auf dem Berge 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



301 



von Hama. Das Datum ist einwandfrei; denn der 2. August 6873 W = 1365 a.d. 
ff ar tatsächlich ein Freitag. 

Sinai syr. 242. Kolophon f. 164v. : ... snt'lp ohmsm" ohmsin otrin mn sni' d'lskndros 
y Pilipos dioiii' mbrk' : iom hms' biom' qdmi' b'b l'pi ts' s'in biom': ... L'zr qsis' br'iob 
0i Qtyt ■ • ■ khn ■ ■ ■ bq r tt' Btor'tig bhikl' dshd' Mri Kristoporos . . . 

Das Datum ist widerspruchsfrei: der 1. August 1552A = 1241 a.d. war ein Don- 
nerstag, wie der Kolophon angibt. Der Schreiber Lazarus bar Hiob stammte aus 
Qalhat südwestlich Tripolis (Dussaud, Tafel V A 3) und schrieb die Handschrift in 
der Kirche des hl. Christophoros zu Betouratish, ein wenig östlich von Qalhat 
(Dussaud, ebenda). 

Sinai syr. 245. Kolophon f. 192: ... iomg hllh mn hzirn irh': snt'lp o tq oph ioni': 
osnt 'lp om'tin opb hi dmsih' bdir' qdis' dmrtn ildt 'lh' ... dKpton ... 'ntoni diri' ...br 
Dnil mn qrit' D'rbli mn krk' dTripolis . . . 

Das Datum ist in sich richtig: der 12. Juni 1585 A = 1282JC = 1274 a.d. war auch 
ein Dienstag. Der Schreiber Antonios bar Daniel stammte aus Darbeli (nicht bei 
Dussaud) im Bezirk Tripolis und schrieb dies Manuskript im Marienkloster von 
Keftoun (Dussaud, Tafel V A 3) nordöstlich von Batroun. 

Sinai syr. 253. Kolophon f. 260v. : ... bsnt 'lp ohmsm" otmn'in ots' dioni' birh' 'b k 
iomin bh ... Bhn'm brjohnn mn 'd' dBtron o'ito(hi) totb' bqrif Bso'li b Tor' dLbnn . . . 

Der Schreiber Behnam bar Johann kommt also aus Edde (Dussaud, Tafel V A 3) 
südlich Batroun und wohnt in Basha'ale (Dussaud, Tafel V A 3) im Gebirge Libanon. 
Er vollendete die Handschrift am 20. August 1589 A = 1278 a.d. 

Der Kolophon berichtet weiter: Isp din oqn Iktb' diri' nkp' 'h' 'prim d'mr bit 'h' d'it 
hiir' MriJ'qob db'r' 'dBstod'r qrit' . . . bslot . . . I'qob Prsi' 

Die Handschrift erhielt also der Bruder Ephraim im Bruderhaus im Kloster des 
hl. Jakob des Persers in Beshtoudar (Dussaud, Tafel V A 3) nördlich von Basha'ale. 

Sinai syr. 257. Kolophon f. 124v. : ... khn' Mos' mn Tor' dSnir iom sbt' bkh mn 
irh'ilol: snt 'lp ohmsm" oh mn mnin' d'lskndr . . . 

Der Priester Moses aus dem Hermon vollendete die Handschrift also Samstag, 
den 28. September 1508 A minus 312 = 1 196 a.d. Das Datum ist so in sich richtig, und 
man findet bestätigt, daß die ursprünglich mit dem 1. Oktober beginnenden Jahre 
nach Alexander (wie in den Überschriften der Tabellen von H. Lietzmann) später 
konform mit den Jahren der Weltära und den Indikationen am 1. September begin- 
nen (so V. Grumel, a.a.O., S. 210). Würde man nur 311 subtrahieren, um 1197 a.d. 
zu erhalten, so ist der 28. September in diesem Jahr ein Sonntag, und das Datum 
wäre fehlerhaft. 



302 



H. Husmann 



Sinai syr. 260. Kolophon f. 119: ... ht 'lp orV m" ots'in oB bdioni' 'ik mi • • 
d'lksndros br Pilipos birh i'ir kr bh iom M . . . bdir' dildt 'lh' bSdni' . . . Iohnn br Ktir """' 

Johann bar Katir schrieb diese Handschrift also im Kloster der Gottesrnut't" ' 
Seidnaya (s. oben den Sinai syr. 222). Das Jahr ist jedenfalls 1497 A, der Monat^'* 
Mai, also das Jahr a.d. 1186. Zwar gibt kr = „wo" auch einen Sinn, aber wenn nu" 
kr in kd konjiziert, so ergibt sich der 24. Mai, und der war ein Samstag, wie /" 
Kolophon angibt. ' er 

15. Nichtmelkitische Handschriften 

Unter den syrischen Handschriften des Sinaiklosters befinden sich mindestens dr ' 
nichtmelkitische Handschriften. 

Es ist wahrscheinlich, daß sich auch unter den nichtdatierten Handschriften, eventuell auch 
unter den datierten Lektionaren - die indes meist ihren melkitischen Charakter durch ein 
tks' ioni' im Titel verraten - noch weitere nichtmelkitische Handschriften befinden. Das zu 
untersuchen, muß ich einer anderen Gelegenheit überlassen. Merkwürdigerweise sind alle Hand- 
schriften des Jerusalemer Patriarchats, die ich prüfen konnte - die Bibliothek der Universitc 
Catholique de Louvain besitzt leider nicht alle Mikrofilme -, assyrisch („nestorianisch"). 

Die drei nichtmelkitischen Handschriften, die ich bisher feststellen konnte, sind der 
Sinai syr. 43, ein syrisch-orthodoxes Psalterium für das Horologion, der Sinai syr. 
256, ein assyrisches Begräbnisrituale, und der Sinai syr. 258, ein syrisch-orthodoxer 
Shimta. Der Sinai syr. 256 gibt die Ordnung des berühmten „Oberen Klosters" in 
Mossul und ist 1552 A (vom 1. 9. 1240 bis 31. 8. 1241) = 638H (vom 23. 7. 1240 bis 
11. 7. 1241) geschrieben, also zwischen 1. 9. 1240 und 11. 7. 1241. Der Schreiber hieß 
'sm'il brh d'bo 'Ipdl - letzteres entspricht dem Bolpdl des melkitischen Schreibers des 
Sinai syr. 77 und des Sinai syr. 261. Der syrisch-orthodoxe Sinai syr. 258 ist im 
Marienkloster von Dksimt von Joseph br M(a)q(a)ri(o)s am 16. Juni 1551 A = 
1240 a.d. beendet worden. 



IL Herkunft und Schreiber der syrischen Sinaihandschriften 
1. Die syrischen Schreiber des Sinai 

1. Der älteste der syrischen Schreiber des Sinai ist Sm'on br MT br Polpdl. Er 
schrieb den syr. 261 1233/34 und beendete den syr. 77 5. 7. 1237F. 

Ein F hinter dem Datum zeigt einen Fehler im Datum an, F die Diskrepanz zwischen Wo- 
chentag und Datum, (F) einen anderen Fehler. 

2. Sm'on br Ptros ist der zweite in der Reihe der syrischen Schreiber des Sinai, 
wenn man sie nach ihrem jeweils ältesten Manuskript anordnet. Er beendete den syr. 
131 24. 12. 1242, den syr. 233 16. 1. 1252, den syr. 88 25. 2. 1254 und den syr. 212 
17. 1. 1256. 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



303 



3. Johnn br Mnsor vollendete den syr. 25 13. 3. 1255, den syr. 237 13. 7. 1258, 
jjn'syr.' 85 28. 1. 1258, den syr. 78 2. 10. 1259, den syr. 87 12. 11. 1259, den syr. 157 
4 2. 1260, den syr. 159 23. 2. 1260, den syr. 220 30. 4. 1261 und den syr. 90 20. 8. 1265. 

4. Johnn br ( ) schloß den syr. 64 am 12. 6. 1255 ab. 

5. Polos br Doid beendete den syr. 165 im April 1261, den syr. 227 am 14. 7. 1293. 

6. Johnn br Ptros schrieb den syr. 222 1266/67. 

7. Johnn br J'qob beendete den syr. 91 am 10. 8. 1286F, den syr. 156 am 14. 9. 
J289F und den syr. 210 am 8. 3. 1295. 

8. Sm'on br Josp vollendete den syr. 271 10. 2. 1288 F, den syr. 207 6. 5. 1288F 
und den syr. 83 6. 3. 1293 F. 

9. Mti br Ti beendete den syr. 272 5. 8. 1289, den syr. 203 12. 2. 1290F, den syr. 
236 10. 3. 1294, den syr. 75 24. 9. 1295, den syr. 80 13. 4. 1297. 

" 10. Johnn ( ) schloß den syr. 92 am 13. 9. 1291 F ab. 

11. Johnn br T'odoros beendete den syr. 95 am 28. 9. 1295. 

12. Johnn ( ) schrieb den syr. 217 1296/97. 

13. Tom' beendete den syr. 169 am 8. 12. 1299. 

14. Br N'mh beendete den syr. 114 21. 2. 1424. 

15. Ein anonymer Schreiber schrieb den syr. 166 1266/67. 

16. Ein ungenannter Schreiber beendete den syr. 240 am 1. 3. 1322. 

Von diesen Schreibern haben 4. Johnn br ( ), 8. Sm'on br Josp, 12. Johnn 

( ) und 13. Tom' ihren Heimatort nicht angegeben. Die übrigen Schreiber 

stammen auffallenderweise fast alle aus Syrien. Wenn wir Syrien von Norden nach 
Süden durchwandern, stammen 3. Johnn br Mnsor aus Mouharde nordwestlich Hama, 
9. Mti br Ti aus Besirin südlich Hama, 7. Johnn br J'qob aus Shemsin südlich Homs, 
1. Sm'on br MT br Polpdl aus Ma'loula; aus Seidnaya kommen 5. Polos br Doid, 
6. Johnn br Ptros und 11. Johnn br T'odoros ; 14. Br N'mh stammt aus dem Hermon 
westlich Damaskus. Die Heimat des 2. Sm'on br Ptros ist unbestimmt, da es mehrere 
Roumana gibt; wenn es das im Bezirk al-Zebedani nördlich Damaskus ist, wo auch 
der Schreiber des London add. 17236 herkommt (siehe oben beim syr. 212), gehört er 
auch zu den eben genannten Schreibern. Fragt man sich, wie es zu einer so merk- 
würdigen Verbindung zwischen dem Sinai und Syrien kommt, so muß man eine 
andere Tatsache berücksichtigen: das Sinaikloster besaß erhebliche Besitzungen in 
Libanon, Syrien, Zypern und Kreta und eine der bedeutendsten war die Kirche des 
hl. Georg in Damaskus, schon 1217 durch die Bulle Honorius' III. bezeugt, siehe 
G. Hofmann, a.a.O., S. 243. 

Nur ein Schreiber kam dann aus dem Libanon, 10. Johnn, der Schreiber des syr. 92, 
der in Kefour östlich Batroun beheimatet war. Da die libanesischen Besitzungen des 
Sinai entweder im Süden, Jaffa, Accon, oder im Norden, Laodicea, Antiochia, liegen 
(siehe G. Hofmann, a.a.O., S. 243), kommt auch für diesen Schreiber der Weg über 
Damaskus vielleicht eher in Betracht. 



304 



H. Husmann 



2. Nichtlokalisierte Handschriften 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



305 



2 T'odosi, Bischof von 'st'il in Mar Elia auf dem Tum ukatna bei Antiochia: 



Eine große Reihe der syrischen Handschriften des Sinaiklosters besitzt kein 
gäbe des Ortes, in dem sie hergestellt wurden. Da die auf dem Sinai geschrieb "" 
Handschriften, wie es scheint, fast stets sehr genau Kolophone besitzen, dürften d^" 
Handschriften wohl zum größten Teil woanders geschrieben sein. SC 

Einige Schreiber geben nicht nur ihren Namen an, sondern auch ihre Herk f 
Es sind dies: C ' 

1. Josp aus Qara nördlich Damaskus, der den syr. 1 am 22. 11. 1127 vollendet 

2. Mos' aus dem Hermon westlich Damaskus, der den syr. 257 am 28. 9 iio fi 
beendete. 

3. Pims oder Pils aus Seidnaya nördlich Damaskus, der den syr. 146 am 19. 3 1235 
abschloß. 

Diese Handschriften dürften ihren Weg in das Sinaikloster also auch über die 
Georgskirche in Damaskus gefunden haben. 

Die meisten Schreiber dagegen geben nur ihren Namen an. Das sind die folgenden 
mit den von ihnen geschriebenen Handschriften mit deren Datierung: 

4. J'qob: syr. 45; August 1044 

5. Mansur bn Ishaq: syr. 151 ; Februar 1194 

6. Sm'on br Ntros: syr. 124; 1214/15 F 

7. Sm'on br Ohsi: syr. 121; 1232/33 

8. Srgis: syr. 112; 1235/36 

9. Dni'il br Nsr: syr. 103; 15. 2. 1236 F 

10. 'li's br Gorgis: syr. 129; 1255/56 
11. 'rsni:syr. 116; 14. 11. 1282 

12. Johnn: syr. 123; 26. 10. 1286 

13. Arsani: syr. 101; 21. 1. 1382F 

Einige Schreiber haben zwar das Datum, aber nicht einmal ihren Namen mitge- 
teilt. Es handelt sich um folgende Handschriften: 

14. syr. 30; 3. 7. 708 

15. syr. 38; 758 F 

16. syr. 143; 10. 1. 1231 

17. syr. 155; 7. 11. 1255F 

18. syr. 98; April 1260 

3. Die vorderasiatischen Handschriften 

Ich bringe die Schreiber mit ihren Handschriften wieder zuerst in chronologischer 
Reihenfolge. 

1. Simon aus Doqs' in Mar Palladios über 'imm auf dem Tor' d'mhr' = Tun 
'ehia; syr. 40; 16. 9. 1058F 



s yr, 



20; 1068/69 



3 Mik'ü. Bischof von Qara in Qara: syr. 6; 1177/78 

4 Johnn br Ktir im Marienkloster Seidnaya: syr. 260; 24. 5. 1186 

5 Mti in Batroumin südlich Tripolis: syr. 234; 23. 5. 1215 

g. In der Kirche des hl. Domitios auf dem Berg über Gangra: syr. 235; 18. 8. 1216 

7. R'p' br Ionn aus Seidnaya in Seidnaya: syr. 215, März 1220, und syr. 140, 
4,10.1221 

8. Mik'rl br Btros in Mar Tellelios auf dem Tum 'hia in Tlpit'; syr. 208; 5. 7. 1225 

9. Zgn't br Johnn in Mri Sm'on ris'stoni' auf dem Tum 'ehia; syr. 128; August 

1229 (F) 

10. Gbri'il br Mrqos aus Trmin bei Maifarqat im Kloster der Gottesmutter und des 
Elias auf dem Tum ukama bei Antiochia: syr. 81, 9. 7. 1232 (F) und syr. 111, 10. 12. 

1232 

11. L'zr br 'iob aus Qalhat in der Kirche des hl. Christophoros in Betouratish: 

syr . 242; 1.8. 1241 

12. a) 'ntoni in Mri J'qob in Beshtoudar: syr. 255; 4. 6. 1271 

b) 'ntoni br Dnil aus TS Mi in Keftoun: syr. 245; 12. 6. 1274 
Bei 12. a) und b) handelt es sich offenbar um denselben Schreiber, da die beiden 
Orte Beshtoudar und Keftoun sehr nahe beeinander liegen und auch die Daten 
zueinander passen. 

13. Bhnm br Johnn aus Edde bei Batroun in Besha'ale: syr. 253; 20. 8. 1278 

14. Antun, Superior von Mar Tuma in el-Zebedani nördlich Damaskus ebendort: 
syr. 158; 20. 8. 1278 

15. Bri Gbr'il aus Kafr 'aqqa nördlich Batroun ebenda: syr. 102; 1327/28 

16. G(e)ras(i)m(e)h br Dimitri aus Beziza bei Tripolis im Marienkloster über 
Hama:syr. 241; 2. 8. 1365 

17. J'qob in Beit Zagba : syr. 69 ; undatiert 

Betrachten wir jetzt wieder die geographische Verteilung der Handschriften, so 
sind der syr. 235 (Nr. 6) und der syr. 69 (Nr. 17) am weitesten entfernt vom Sinai 
angefertigt worden; aber von Gangra in Kleinasien mag der syr. 235 leicht über die 
Besitzungen des Sinai in Zypern nach dem Sinaikloster gekommen sein, und der 
syr. 69 fand seinen Weg von Beit Zagba in Mesopotamien zum Sinai gewiß über 
Damaskus. 

Die übrigen Handschriften teilen sich ungezwungen in drei Gruppen, deren Zen- 
tralpunkte Antiochia, Tripolis und Damaskus sind. Nordwestlich von Antiochia 
erhebt sich der „Schwarze Berg" mit dem Kloster der Gottesmutter und des Elias, 
in dem 2. Theodosios den syr. 20 und 10. Gabriel bar Markos den syr. 81 und den 
syr. 111 anfertigten. Südöstlich von Antiochia liegt der Gebirgszug des Tora 'elaia, 
wo im Kloster des hl. Palladios 1., der syr. 40, im Kloster des hl. Tellelios 8., der syr. 
208, und im Kloster des Erzstyliten Simeon 9., der syr. 128, entstanden. Die Vermitt- 



306 



H. Husmann 



lung zum Sinai mag durch Antiochia gekommen sein, wo der Sinai domos et f 
(siehe G. Hofmann, a.a.O., S. 243) besaß. Jm """ 

In der Umgebung von Damaskus sind angefertigt der 3., syr. 6, in Qara 4 
260, und 7., syr. 215 und syr. 140, in Seidnaya und der 14., syr. 158, in el-Zebed^' 
Der schon eben vermutete Zusammenhang des libanesischen Manuskripts syr 92 ^ 
Damaskus bestätigt sich hier in eklatanter Weise: der Schreiber von 16., syr 241 ' 
kam aus Beziza bei Tripolis nach Hama, wo er diesen Kodex schrieb. 

Der Libanon ist nunmehr mit einer ganzen Gruppe von Manuskripten vertret 
die alle südlich Tripolis entstanden sind, wo auch Beziza, die Heimat des Schreib '' 
des syr. 241, liegt. Es kommen 5., der syr. 234, aus Batroumin, 11., der syr. 242 a" 
Betouratish, 12 a.b., die syr. 255 und 245, aus Beshtoudar und Keftoun, 13., derm 
253, aus Besha'ale und 15., der syr. 102, aus Kafr 'aqqa. 

Vergleicht man nunmehr die drei Gruppen der auf dem Sinai geschriebenen, der 
nichtlokalisierten, wohl überwiegend auswärts entstandenen und der im vorderen 
Orient angefertigten Manuskripte miteinander, so sind auf dem Sinai hergestellt 
37 Handschriften, nichtlokalisiert sind 18, sicher fremden Ursprungs 20, das sind von 
insgesamt 75 Manuskripten 49%, 24% und 27%. Nimmt man an, daß die nicht- 
lokalisierten meist fremden Ursprungs sind, so sieht man, daß den eigenen Manu- 
skripten fast ebenso viele fremde gegenüberstehen. So war der Sinai mit seinen 
Dependenzen dem Orient nicht nur wirtschaftlich, sondern mit seinen Manuskripten 
ihm auch geistig und kulturell verbunden. 

Betrachtet man endlich noch die Daten der Manuskripte, so sind von den 37 auf 
dem Sinai geschriebenen Handschriften nur drei, syr. 77, 131 und 261, in der 1. 
Hälfte des 13. Jh. entstanden; eine, der syr. 240, wurde im 14. Jh., eine, der syr. 
114, im 15. Jh. angefertigt; alle übrigen 32 Manuskripte gehören der 2. Hälfte des 
13. Jh. an. Unterteilen wir diese nochmal, so liegen zwischen 1250 und 1274 
16 Manuskripte und zwischen 1275 und 1299 ebenfalls 16. Noch genauer verteilen 
sich die Handschriften des 13. und 14. Jh. folgendermaßen auf die einzelnen Jahr- 
zehnte : 

1230-1239 2 1280-1289 5 

1240-1249 1 1290-1299 11 

1250-1259 9 1300-1309 

1260-1269 7 1310-1319 

1270-1279 - 1320-1329 1 



Die syrischen Handschriften des Sinai-Klosters 



307 



Verteilen wir wieder auf einzelne Jahrzehnte, so ergibt sich folgendes Bild: 



1050-1059 


1 


1230-1239 


1 


1060-1069 


1 


1240-1249 


1 


1170-1179 


1 


1250-1259 


- 


1180-1189 


1 


1260-1269 


- 


1190-1199 


- 


1270-1279 


4 


1200-1209 


- 


1280-1289 


- 


1210-1219 


1 


1320-1329 


1 


1220-1229 


4 


1360-1369 


1 



Hier geht die Streuung vom 11. bis zum 14. Jh., und es ergeben sich Höhepunkte 
wieder im 13. Jh., diesmal in den zwanziger und siebziger Jahren. Freilich lassen sich 
von so wenigen Manuskripten keine umfassenderen Ergebnisse gewinnen. 

Sortiert man auch noch die nichtlokalisierten Manuskripte, so erhält man folgende 
Verteilung: 

1 1230-1239 5 

1 1240-1249 

1 1250-1259 2 

1 1260-1269 1 

2 1270-1279 
1280-1289 2 

1 1290-1299 
1380-1389 



700- 709 
750- 759 
1040-1049 
1120-1129 
1190-1199 
1200-1209 
1210-1219 
1220-1229 



1 



Hier kommen nun auch die ganz alten Manuskripte des 8. Jh. zum Vorschein. Am 
reichsten ist die Schreibtätigkeit wieder im 13. Jh., wo der Höhepunkt diesmal in den 
dreißiger Jahren liegt. In allen Fällen ist das 13. Jh. die große Blütezeit der melkitischen 
Handschriftenproduktion allgemein. 



Die Höhepunkte der Schreibertätigkeit auf dem Sinai lagen also um 1260 und 
1290, das heißt zur Zeit der Äbte Makarios und Arsenios. 

Demgegenüber sehen die Jahreszahlen der vorderorientalischen Manuskripte 
erheblich anders aus : 

1058, 1068/9, 1177/8, 1186, 1215, 1220, 1221, 1225, 1229, 1232, 1241, 1271, 1274, 
1278, 1278, 1327/8, 1365. 



308 



H. Husmann 



Verzeichnis der besprochenen* bzw. erwähnten Handschriften 



Sinai 


>yr. Seite 


Sinai 


syr. Seite 


Sinai syr. Seite 


1 
4 


294, 304 

288 


103 
111 


299, 304 

287, 295, 305, 305 


234 
235 


296 > 2 97, 305, 306 
297, 305, 305 


6 


294, 294, 305, 306 


112 


299, 304 


236 


297, 303 


18 


285 


113 


285 


237 


286, 303 


20 


294, 305 


114 


292, 303, 306 


240 


300, 303, 306 


22 
25 


285 
283, 303 


116 
121 


291, 304 
299, 304 


241 
242 


296,300,305,306 
296,301,305,306 


27 


287 


123 


282, 283, 304 


245 


301, 305, 306 


30 


298, 304 


124 


299, 304 


253 


296,301,305,306 


36 
38 


291 

298, 298, 304 


128 
129 


299, 305, 305 
294, 304 


255 
256 


292,293,305,306 
302 


40 


289, 304, 305 


131 


287, 288, 302, 306 


257 


301, 304 


43 


302 


136 


294 


258 


302 


44 


285 


140 


292, 293, 305, 306 


260 


302, 305, 306 


45 


295, 304 


143 


300, 304 


261 


286, 289, 292, 


48 


284 


146 


291, 304 




302, 302, 306 


50 


285 


151 


291, 292, 304 


271 


297, 303 


64 


289, 290, 303 


155 


300, 304 


272 


297, 303 


65 


282, 283 


156 


282, 283, 303 






69 

70 
71 


282, 283, 305, 305 

288 

288 


157 
158 


300, 303 
291, 292, 299, 
305, 306 


Florenz, Med.-Laur. 
Plut. I 56 


75 
77 


295, 303 
288, 302, 306 


159 
165 


296, 303 
303, 303 


London, Brit. Mus. 
add. 12148 


78 


285, 286, 303 


166 


291, 292, 303 


add. 


17236 


80 


288, 295, 303 


169 


291, 292, 303 






81 


295, 305, 305 


203 


290, 291, 295, 






83 


290, 297, 303 




297, 303 






85 


285, 286, 303 


207 


288, 290, 297, 303 






87 


285, 286, 303 


208 


282, 284, 305, 305 






88 


285, 286, 302 


210 


282, 284, 295, 303 






90 


287, 303 


212 


286, 286, 302, 303 






91 


285, 303 


215 


291, 296, 305, 306 






92 


295, 303, 303, 306 


217 


296, 303 






95 


290, 290, 303 


220 


285, 303 






98 


298, 304 


222 


296, 303 






101 


299, 304 


227 


291, 296, 303 






102 


296, 299, 305, 306 


233 


286, 302 







Zur kirchlichen Organisation der Rumänen 

in Nordsiebenbürgen im Lichte des 

patriarchalischen Privilegiums von 1391* 

Von Radu Popa, Bukarest 

pie Fragen nach dem Datum und den Umständen, unter denen das Christentum 
von der romanisierten Bevölkerung nördlich der Donau angenommen wurde, sowie 
naC h den Anfängen der kirchlichen Organisation in den Gebieten am linken Ufer der 
unteren Donau, stellen einen der schwierigsten und am wenigsten bekannten Aspekte 
der Geschichte des rumänischen Volkes dar. Trotzdem wurden diesbezüglich in den 
letzten zwei bis drei Jahrzehnten einige Fortschritte erzielt. Die das Christentum 
betreffenden archäologischen Funde aus dem 4.-6. Jahrhundert mehren sich allmäh- 
lich 1 und bezeugen eine langsame, aber stetige Ausbreitung des neuen Glaubens nörd- 
lich des Stromes. Sie bestätigen auch die bewundernswerte Intuition von Nicolae 
jorga, der vor vier Jahrzehnten schrieb, „qu'on est arrive ä l'adoption de plus en plus 
generale d'un christianisme de synthese et de folklore, avec tres peu de ,theologie' et 
meine de vraie hierarchie" 2 . Andererseits deuten die zu jener Zeit bestehenden zahl- 
reichen hierarchischen kirchlichen Zentren am rechten Ufer der Donau darauf hin, 
daß eine Aufnahme der romanisierten Bevölkerung nördlich der Donau in die 
Struktur der spätrömischen Kirche stattgefunden hat, wenn auch in Formen, die 
schwer durch Einzelheiten nachweisbar sind. 

Auch für die folgende Periode - 7.-9. Jahrhundert - geben uns neuere archäologi- 
sche Funde Auskunft über das Bestehen einer christlichen Bevölkerung nördlich der 
Donau, die den neuen Glauben in derselben volkstümlichen Weise ausübte. Diese 
Funde sind zwar zahlreicher, was die Gegenden außerhalb des Karpatenbogens be- 



* Fettdruck bezeichnet die Stelle, an der der Kolophon der Handschrift mitgeteilt ist. 



* Mitteilung beim III. Internationalen Kongreß für Südosteuropäische Studien, Bukarest, 
4.-10. September 1974. 

1 Für ältere Funde auf dem Territorium der römischen Provinz Dazien siehe I. I. Russu, 
Materielle arheohgice paleocrestine din Transilvania, in: Studii Teohgice 10 (1958) 311-340, wo 
auch einige ähnliche Funde außerhalb Siebenbürgens, am Nordufer der Donau, erwähnt 
werden. Neuere Funde wurden in verschiedenen archäologischen Berichten und Mono- 
graphien veröffentlicht, ohne jedoch bis jetzt in einer Gesamtübersicht dargestellt worden 
zu sein. Siehe u. a. : M. Constantiniu, Elemente romano-hizantine in eultura materialä a popula- 
tiei autohtone din partea centralä a Munteniei in secolele VI-VII, in: Studii si cercetäri de istorie 
'veche (= SCIV) 17 (1966) 674-675 ; C. Preda, Tiparpentru bijuterii din secolul cd Vl-lea e. n. desco- 
perit la Olteni, in: SCIV 18 (1967) 513-521 ; D. Teodor, Elemente si influenae bizantine in Moldova 
in secolele VI-IX, in: SCIV 21 (1970) 101-106; E. Zaharia, Donnees sur l'archeologie des IV e -XI e 
siecles sur le territoire de la Roumanie, in: Dada, N. S. 15 (1971) 283; L. Bärzu, Continuitatea 
populatiei autohtone in Transilvania in secolele IV-V (Cimüirul 1 de la Bratei), Bukarest 1973, 
13; S.bolinescu-Ferche, Asezäri din secolele III si VI e.n. in sud-estul Munteniei. Cercetärile de 
h Dulceanca, Bukarest 1974, 65. 

1 N. Jorga, Histoire des Roumains, II, Bukarest 1937, 109.